Chancen- und Risikobericht

Risikomanagementsystem

Die Geschäftsführung der FMG und aller Tochter- und Beteiligungsgesellschaften ist für die Früherkennung und Abwendung von Risiken, die den Fortbestand des Verkehrsflughafens und der Beteiligungen gefährden, verantwortlich. Die Konzernleitung trägt die Gesamtverantwortung für ein effektives Risikomanagementsystem und legt mit der Kommunikation und Definition der Unternehmensstrategie und -ziele die wesentliche Grundlage dafür fest. Sie formuliert Vorgaben für den Prozess und die organisatorische Ausgestaltung des Risikomanagements.

Mit dem Risikomanagementsystem sollen Ereignisse und Entwicklungen, die sich negativ auf die strategische und operative Zielerreichung auswirken können, rechtzeitig erkannt und geeignete Gegensteuerungsmaßnahmen entwickelt werden. Es berücksichtigt alle Dimensionen der unternehmerischen Tätigkeit – sowohl ökonomische als auch ökologische und gesellschaftliche.

Die allgemeinen Grundsätze des Risikomanagements im Konzern sowie die Aufgaben und Verantwortlichkeiten der im Risikomanagement beteiligten Funktionsträger:innen regelt die Risikomanagementrichtlinie. Diese ist auf das international anerkannte Rahmenmodell »COSO ERM« (Committee of Sponsoring Organisations of the Treadway Commission – Enterprise Risk Management) ausgerichtet.

Als zusätzliche unterstützende Steuerungs-, Kontroll- und Überwachungsinstanz innerhalb des Risikomanagementsystems dient der Risikomanagementausschuss. Als ranghöchstes Organ des Risikomanagements ist er direkt der Geschäftsführung unterstellt und besteht aus der Geschäftsführung Finanzen und Infrastruktur, der Leitung der Geschäftsbereiche Aviation, Commercial Activities und Real Estate, den Leiter:innen der Konzernbereiche Recht, Gremien, Compliance und Umwelt, Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement, Konzernsicherheit, Konzernentwicklung und Corporate Communication & Politics, der Leitung des Servicebereichs IT sowie dem:r Risikomanager:in. Die Leitung Compliance ist im Risikomanagementausschuss als Gast beteiligt. Aufgabe des Risikomanagementausschusses ist es, die Risiken aus Konzernperspektive zu analysieren und die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen zu überwachen. Er unterstützt bei der Entwicklung des Risikomanagementsystems sowie bei der Risikoidentifikation, -beurteilung und -steuerung. Der Risikomanagementausschuss tagt vierteljährlich und beschließt den Risikobericht, der anschließend der Geschäftsführung und den Gesellschaftern vorgelegt wird.

Der Risikomanagementprozess umfasst die nach­folgenden Schritte. Zur Unterstützung dieses Prozesses ist systemseitig eine Koordinations- und Kommuni­kationsplattform eingerichtet.

Identifikation und Kommunikation von Risiken

Alle Bereichsleiter:innen und Geschäftsführer:innen der Tochter- und Beteiligungsunternehmen sind für die Identifikation und Bewertung von Risiken verantwortlich. In den jeweiligen Bereichen erfolgt die Koordination, Verwaltung, Dokumentation und Weitergabe aller risikorelevanten Informationen durch den:die jeweilige:n Risikobetreuer:in. Der:die Risikomanager:in prüft die Risikomeldungen der Bereiche auf Plausibilität und Einhaltung der konzernweiten Standards zur Risikobewertung. Er:sie fasst die Einzelmeldungen der Bereiche in einem Risikobericht, unter Berücksichtigung der Wesentlichkeit für den Konzern, zusammen und berichtet vierteljährlich an die Geschäftsführung und Gesellschafter. Zudem besteht für erstmals identifizierte, existenzgefährdende Risiken eine Ad-hoc-Berichtspflicht an die Geschäftsführung.

Als Grundlage für einen bewussten Umgang mit Risiken ist jeder einzelne Mitarbeitende in das unternehmensweite Risikomanagement involviert. Jeder Mitarbeitende trägt die Verantwortung, Gefahren im eigenen Bereich zu beseitigen und Hinweise auf bestehende Risiken unverzüglich an seine:n Vorgesetzte:n zu melden.

Bewertung von Risiken

Die systematische Risikobewertung ermöglicht es, festzustellen, in welchem Umfang die einzelnen Risiken die Erfüllung der Unternehmensziele und -strategien des Flughafens München gefährden und welche Risiken sich möglicherweise bestandsgefährdend auswirken können. Dazu werden die Faktoren Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit/-häufigkeit in einer zweidimensionalen Risikomatrix dargestellt. Die Schadenshöhe beschreibt, mit welchem Ergebniseffekt bei Eintritt des Schadensereignisses zu rechnen ist. Bei im Zeitverlauf wiederkehrenden Ereignissen wird mit der Eintritts­häufigkeit gearbeitet. Zunächst erfolgt die Bewertung ohne Berücksichtigung von Maßnahmen zur Risiko­begrenzung (Brutto-Risiken, siehe Abschnitt »Risiken«). Anschließend werden die Risiken nach Einleitung beziehungsweise Umsetzung von risikomindernden Maßnahmen bewertet (Netto-Risiken, siehe Abschnitt Risiken).

Risikohandhabung

Ausgehend von der Risikoanalyse werden im Einklang mit der Unternehmensstrategie und ökonomischen Aspekten geeignete Gegenmaßnahmen zur Risikohandhabung festgelegt. Zu den Strategien der Risikobewältigung zählen: kontrollieren, versichern, minimieren, eliminieren und abwälzen. Die Risikoverantwortlichen haben die Aufgabe, Gegenmaßnahmen zur Bewältigung von Risiken in dem jeweils betroffenen Bereich festzulegen und umzusetzen.

Risikoüberwachung

Der:die Risikomanager:in überwacht kontinuierlich die Effektivität des Risikomanagements. Zudem erfolgt eine separate Überwachung durch die interne Revision.

Compliance-Management-System

Compliance beinhaltet die Einhaltung aller für den Flughafen München relevanten Gesetze, Vorschriften und Vorgaben, nationaler und internationaler Normen und Standards sowie unternehmensinterner Regelungen und Richtlinien. Der Flughafen München hat dazu ein konzernweites Compliance-Management-System eingerichtet, das die Gesamtheit aller organisatorischen Vorkehrungen, mit denen die Einhaltung der genannten Regeln gewährleistet werden kann, umfasst.

Die Konzerneinheit Compliance berichtet regelmäßig an die Geschäftsführung und jährlich an den Aufsichtsrat über den aktuellen Stand des Compliance-Management-Systems.

Darüber hinaus werden Compliance-Risiken bei Überschreiten der internen Schwellenwerte im Rahmen der Risikoberichterstattung an die Geschäftsführung und die Gesellschafter kommuniziert. Es findet ein regel­mäßiger Austausch zwischen Risikomanagement und Compliance statt.

Erstmalig wurde der Geschäftsführung ein Code of Conduct vorgelegt. Dieser Verhaltenskodex beinhaltet die Grundsätze und Leitlinien für ein werte- und gesetzes­konformes Verhalten im Flughafen München Konzern.

Compliance-Risiken erkennen und minimieren

Die Konzerneinheit Compliance erstellt jährlich gemeinsam mit den Bereichen der FMG die Compliance-Risiko­analyse und führt sie mit den Compliance-Risiko­analysen der Tochter-/Beteiligungsgesellschaften zusammen.

Die Bewertung der Compliance-Risiken erfolgt analog zum Risikomanagement. Nach Abschluss der Compliance-Risikoanalyse wird die Geschäftsführung in einem Bericht über die Ergebnisse informiert.

Im Jahresbericht Compliance an den Aufsichtsrat der FMG wird ebenfalls über die Ergebnisse der Compliance-Risikoanalyse informiert. Liegen für ein Risiko trotz aller ergriffenen Gegenmaßnahmen ein hohes Schadenspotenzial und gleichzeitig eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit vor, wird dies im Bericht näher beleuchtet.

Für das Jahr 2021 bleiben nach Berücksichtigung der getroffenen Gegenmaßnahmen keine erheblichen Compliance-Risiken bestehen. Im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie wurden mit höchster Priorität entsprechende Schutzmaßnahmen für die Gesundheit der Beschäftigten und Kund:innen getroffen.

Korruptionsprävention

Die Compliance-Grundsätze und die Geschenke-/Einladungsrichtlinie unterstützen Geschäftsführung, Führungskräfte und Beschäftigte bei einem gesetzeskonformen und ethischen Verhalten am Arbeitsplatz. Sie sind im Intranet veröffentlicht und somit allen Beschäftigten zugänglich. Darüber hinaus verweisen die Grundsätze auf die Beachtung weiterer betriebsinterner Vorgaben, wie beispielsweise die Einhaltung des öffentlichen Vergaberechts bei Beschaffungs- und Vergabevorgängen, die Datenschutzorganisation oder die Informationssicherheit. Dadurch werden Prozessabläufe intern und extern transparent und nachvollziehbar. Bei Vergaben und Ausschreibungsverfahren fordert der Flughafen München von Bietern eine Verpflichtungserklärung, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Korruption zu vermeiden. Bei Verstößen sind Sanktionen vorgesehen, zum Beispiel der Ausschluss von der Auftragsvergabe.

Die Position des:r Antikorruptionsbeauftragten wird durch die Leitung der Konzerneinheit Compliance wahrgenommen. Für das Jahr 2021 sind keine bestätigten Korruptionsfälle im Konzern bekannt.

Kommunikation und Schulung

Eine Kernaufgabe der Konzerneinheit Compliance ist die Schulung und Beratung der Beschäftigten, der Führungskräfte und der Geschäftsführung der FMG in Compliance-Fragen, um so Compliance-Verstöße bereits präventiv zu verhindern.

Alle Mitarbeitenden und Führungskräfte werden regelmäßig mit den Compliance-Dokumenten sowie mit ihren Aktualisierungen und Neuerungen vertraut gemacht. Infolge der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie wurde die Compliance-Unterweisung der Beschäftigten im Jahr 2021 flexibel sowohl persönlich als auch digital durchgeführt. Die Kenntnisnahme wurde dokumentiert.

Um das Bewusstsein für Compliance-Themen und Datenschutzverletzungen zu steigern, hat die Geschäftsführung beschlossen, dass das webbasierte Compliance-Training konzernweit für alle Beschäftigten einmal jährlich, ergänzend zur Compliance-Unterweisung durch die jeweilige Führungskraft, verpflichtend zu absolvieren und mit einem Test erfolgreich abzuschließen ist. Die Schulung wurde inhaltlich neu konzipiert sowie technisch auf den neuesten Stand gebracht und entspricht somit den aktuellsten Herausforderungen. Eine englischsprachige Version des Trainings konnte ebenfalls 2021 live geschaltet werden.

Schulungen im Rahmen des Leadership-Excellence-Programms mussten aufgrund der Coronavirus-Pandemie entfallen und werden modifiziert im Jahr 2022 entsprechend den aktuellen Entwicklungen wieder aufgenommen.

Die Geschäftsführung befasst sich in einem fortlaufenden Prozess in kurzen Abständen mit dem Thema Compliance, der Aufsichtsrat wird in regelmäßigen Abständen unterrichtet.

Elektronisches Hinweisgebersystem

Über ein elektronisches Hinweisgebersystem, das Business Keeper Monitoring System (BKMS®) können Mitarbeitende des Flughafens München, Geschäftspartner und auch Kunden Hinweise auf unternehmensschädigendes Verhalten geben. Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung und Internationalisierung der Geschäftstätigkeiten wird das Hinweisgebersystem fortan auch in englischer Sprache angeboten. Ferner können Dokumente nun auch anonymisiert auf elektronischem Weg zugeleitet werden. Daneben steht die Konzerneinheit Compliance internen und externen Personen auch über weitere Kommunikationswege (Telefon, E-Mail, persönliches Gespräch) als Ansprechpartner bei Hinweisen auf Compliance-Verstöße und zur Beratung zur Verfügung. In den Ausschreibungsunterlagen werden die Interessenten über die Möglichkeit zur Nutzung des BKMS® bei Verdacht auf einen Compliance-Verstoß informiert.

Datenschutz

Der Flughafen München hat umfassende Maßnahmen zur Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) getroffen. Die Tochter- und Beteiligungsgesellschaften haben Datenschutzbeauftragte benannt, die die Beratungs- und Überwachungsaufgaben gemäß DSGVO wahrnehmen. In den Fachbereichen der FMG wurden zudem Datenschutzkoordinator:innen implementiert, um die Themen und Risiken der Fachbereiche entsprechend identifizieren und abbilden zu können. Sie werden durch die Konzerneinheit Compliance in Zusammenarbeit mit dem:r Datenschutzbeauftragten fortlaufend geschult, informiert und beraten. Seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie wird dies auch kurzfristig flexibel über verschiedene Medien gehandhabt.

Die konzernweite Datenschutzrichtlinie wurde neu konzipiert mit dem Ziel, ein einheitliches und hohes Niveau für den Schutz betroffener Personen bei der Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten innerhalb des Flughafen München Konzerns zu gewährleisten und die Einhaltung des Datenschutzes sicherzustellen.

Die Verantwortung für die Einhaltung des Datenschutzes für ihre jeweiligen Verarbeitungsprozesse liegt im Einzelnen dezentral bei den einzelnen Fachbereichen der FMG beziehungsweise bei den Tochter-/Beteiligungsgesellschaften.

Der:die Datenschutzbeauftragte der FMG ist für die Beratung und Unterstützung der Fachbereiche zuständig und ist in den meisten Tochter-/Beteiligungsunternehmen unmittelbar als Datenschutzbeauftragte:r bestellt. Der:die Datenschutzbeauftragte der FMG ist disziplinarisch der Konzerneinheit Compliance unterstellt und hat eine unmittelbare, unabhängige Berichtslinie zur Geschäftsführung.

Aufgrund der Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie fanden im Jahr 2021 die Schulungsmaßnahmen für Konzernmitarbeitende und Führungskräfte zur weiteren Sensibilisierung in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit fast ausschließlich digital statt. Daneben wurde laufend über das Intranet informiert. In Einzelfällen war zudem eine fachliche und individuelle Beratung für mehr Sicherheit im Umgang mit personenbezogenen Daten gewährleistet.

Risiken

Im Folgenden werden die Risiken erläutert, die einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit beziehungsweise auf die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage sowie die Reputation des Flughafens München ausüben könnten. Die Risiken werden jeweils vor (Übersicht Brutto-Risiken) und nach Berücksichtigung geeigneter Gegenmaßnahmen (Übersicht Netto-Risiken) dargestellt.

Die Risikobetrachtung bezieht sich auf die wirtschaft­liche Belastung im angegebenen Betrachtungszeitraum. Zum 31. Dezember 2021 wurden für den Flughafen München nebenstehende wesentliche Brutto-Risiken identifiziert.

Übersicht Brutto-Risiken

Übersicht Brutto-Risiken (Matrix)

Die aktuellen militärischen Handlungen in der Ukraine und die hierdurch ausgelösten Sanktionen können negative Einflüsse auf die Rohstoffversorgung und die Weltwirtschaft haben, die zurzeit noch nicht absehbar sind. Zum jetzigen Zeitpunkt unterliegt die weitere Entwicklung der Ukraine-Krise und deren Auswirkungen auf die Luftfahrtindustrie einer hohen Unsicherheit und kann Auswirkungen auf die Bewertung der Risiken im Konzern haben.

Risiken aus dem Eintritt von Ereignissen höherer Gewalt

Risiko

 

Beschreibung und Analyse

 

Gegenmaßnahme(n)

Natur­katastrophen

 

Langanhaltende und intensive Niederschläge verbunden mit Schneeschmelze und wassergesättigten Böden südlich von München bis zu den Alpen können entsprechende Hochwasserabflüsse in der Isar verursachen. Ein hierdurch bedingter Bruch der Isardämme sowie der Hochwasserschutzdeiche bei Freising könnte zu einer Überflutung im Flughafenbereich führen.

 

Das Wasserwirtschaftsamt hat die Isar neu vermessen. Untersuchungen haben ergeben, dass die bestehenden Hochwasserschutzdeiche im Einflussbereich des Flughafens bei intensiven Niederschlägen und Sturzfluten, welche bei entsprechenden Wetterlagen auftreten können, ausreichend sind. Zudem soll eine Überprüfung der Entwässerungssicherheit innerhalb des Flughafens erfolgen, um die Voraussetzungen für einen »Hochwasser-TÜV« zu schaffen.
Dauerhaft überwacht der Flughafen München das Abwasserabflussgeschehen und führt Instandhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen durch. Durch ein Krisen- und Risikomanagement am Flughafen München werden die Gegenmaßnahmen auf operativer Ebene verstärkt. Die Ereignisse Erdbeben, Sturm, Hagel und Hochwasser sind versichert.

Anschlag auf den Luftverkehr/Terror am Standort

 

Der Luftverkehr unterliegt einer Bedrohung durch terroristische Anschläge. Relevante Angriffsziele stellen hierbei Luftfahrzeuge und Infrastruktureinrichtungen dar. Neben Personen- und Sachschäden wäre als Folge zumindest kurzfristig mit einem Rückgang von Flugbewegungen und Passagierzahlen zu rechnen.

 

Zur Abwendung eines terroristischen Anschlags ergreift die Konzernsicherheit strategische, operative sowie technische/organisatorische Maßnahmen: Vorhaltung ausreichender und gut ausgebildeter Personalressourcen, bauliche Maßnahmen zur Gewährleistung moderner und zugelassener Sicherheitstechnik und Infrastruktur, Überwachung der Dienstleistungsqualität durch nachhaltige Qualitätsmaßnahmen sowie ständiger Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden. Personen- und Sachschäden sowie Betriebsunterbrechungen sind versichert.

Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben

 

Für Sicherheitsaufgaben in überlassenen Bereichen sind die Luftfahrtunternehmen verantwortlich. Luftfahrtunternehmen erfüllen in diesen Bereichen die gleiche Aufgabe wie Flughafenbetreiber, unterliegen jedoch nicht der gleichen Aufsichtsbehörde. Für den Flughafen München besteht das Risiko, dass im Rahmen von Inspektionen Mängel in überlassenen Bereichen aufgedeckt werden und dadurch der Flughafen insgesamt seinen Sicherheitsstatus verliert.
Fehlerhaftes Kontrollverhalten könnte zu Sach- und Personenschäden sowie Reputationsverlust führen.

 

Aktuell ist ein Tochterunternehmen der FMG mit der Wahrnehmung operativer Sicherheitsaufgaben in den überlassenen Bereichen beauftragt; dessen Leistungserbringung unterliegt regelmäßigem Monitoring durch die FMG. Darüber hinaus erfolgt ein gegenseitiger, intensiver Austausch mit den zuständigen Regulierungs- und Aufsichtsbehörden.

Markteinbruch durch Seuche/Krankheit

 

Der Flughafen München ist Ein-, Aus- und Umsteigeplatz für Millionen von Reisenden und somit ein mögliches Einfallstor für Bakterien und Viren aus aller Welt. Der Ausbruch von Epidemien/Krankheiten kann zu Markteinbrüchen mit reduzierten Flugbewegungen und Passagierzahlen führen. Infolge der Coronavirus-Pandemie gewinnt dieses Risiko besonders an Bedeutung. Aktuell ist erkennbar, dass durch die Coronavirus-Pandemie am Flughafen München enorme wirtschaftliche Belastungen entstehen, was seit Anfang der Pandemie einen sehr hohen Ergebniseinbruch verursachte. Weltweit sind die Impfquoten noch nicht hoch genug, sodass neue Virusvarianten entstehen könnten. Die Auswirkungen auf die Folgejahre sind derzeit wegen der hohen Unsicherheit nicht seriös abschätzbar.

 

Der Flughafen München unterliegt dem Gesetz zur Durchführung der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV-DG) und bedient sich einer Tochtergesellschaft zur Erfüllung der notwendigen Funktionen. Ebenso werden die von der EASA (European Union Aviation Safety Agency) vorgegebenen Regeln, die regelmäßig durch die Aufsichtsbehörde geprüft werden, erfüllt.
Beispiele für Schutzmaßnahmen vor Ansteckung sind: berührungslose Zugänge und Armaturen, regelmäßige Hygieneinspektionsprüfungen, Sicherheitsabstände sowie »eGates« zur berührungslosen Identifikation mittels Gesichtserkennungstechnologie.
Die von der EASA sowie von der europäischen Gesundheitsbehörde (ECDC) ausgesprochenen Empfehlungen für ein sicheres Reisen in Zeiten der Pandemie werden umgesetzt. Vor Ort ist die »Task Force Infektiologie Flughafen« des Bayerischen Gesundheitsministeriums im Einsatz. Mit dem »ACI Airport Health Certificate« bestätigt die ACI World die erfolgreiche Umsetzung effektiver Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen München.
Zu den wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen finden sich Erläuterungen im Risiko »Konjunktur«.

Großbrand

 

Im Falle einer Beschädigung oder Zerstörung von Terminals oder Infrastrukturanlagen durch einen Großbrand ist mit Sach- und Personenschäden sowie bedeutenden und langfristigen Betriebsunterbrechungen zu rechnen.

 

Zur Minimierung des Großbrandrisikos ergreift der Flughafen München alle notwendigen Maßnahmen des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes. Dazu betreibt er eine eigene Flughafenfeuerwehr. Das Risiko Großbrand ist zusätzlich durch eine Feuerversicherung (Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherung) sowie eine Betriebshaftpflichtversicherung (Haftpflichtansprüche Dritter) minimiert. Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.

Flugunfall

 

Flugunfälle oder Schäden an Flugzeugen können zu Personen- und Sachschäden sowie Betriebsunterbrechungen und Folgeschäden führen.

 

Zur Minimierung des Risikos unterhält der Flughafen München eine Flughafenfeuerwehr, einen medizinischen Dienst und ein Seelsorgeteam. Das Risiko »Flugunfall« ist durch Haftpflicht- und Kaskoversicherungen minimiert. Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.

Marktrisiken

Risiko

 

Beschreibung und Analyse

 

Gegenmaßnahme(n)

Verlust/
Beeinträchtigung Hub, Einstellung/
Reduzierung Airlines

 

Die weltweite Coronavirus-Pandemie hat eine in diesem Ausmaß beispiellose Auswirkung auf den Luftverkehr, auf die gesamte Reisebranche und auf weitere Teile der Gesamtwirtschaft. Aktuell ist der Planungshorizont der Fluggesellschaften sehr kurzfristig bedingt durch die international unterschiedlichen Quarantäne- und Einreisebeschränkungen in zahlreichen Zielgebieten. Verstärkt wird die Unsicherheit durch die Ende 2021 bekannt gewordene »Omikron«-Variante.
Ungeachtet dessen unterstreicht die Deutsche Lufthansa ihr Bekenntnis zum Standort München. Neben einer deutlichen Angebotsausweitung im Sommerflugplan 2022 werden zusätzlich zur gesamten eigenen Airbus A350 Flotte weitere, geleaste Maschinen gleichen Typs in München stationiert. Darüber hinaus verstärken Maschinen des Typs Airbus A340 das Premiumsegment.
Auch in der aktuellen Krise wird die intensive Zusammenarbeit mit der Lufthansa fortgeführt, um das weltweit renommierte Drehkreuz weiter zu entwickeln.
Für andere Airlines, die schon vor der Pandemie mit finanziellen Problemen kämpften, ist die weitere Entwicklung unsicher.
Das Risiko für einen kurzfristigen Verlust des Hubs wird daher als »gering« eingestuft.

 

Die Zusammenarbeit des Flughafens München mit der Deutschen Lufthansa beruht auf gemeinschaftlichen Investitionen und langfristigen Kooperationsabkommen.
Trotz der Coronavirus-Pandemie und deren Auswirkungen auf den Flugverkehr wird die Zusammenarbeit zwischen dem Flughafen München und der Deutschen Lufthansa fortgeführt.
In diesem Zusammenhang ist die Absichtserklärung (Letter of Intent) zwischen beiden Parteien für die Erweiterung des Satelliten sowie das Projekt »Partnerschaft MUC 2030« zu sehen.
Darüber hinaus erhielt der Flughafen München 2021 durch das Institut Skytrax erneut die Spitzenbewertung als »5-Star-Airport«. Dies ist die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Neuanfang nach der Coronavirus-Pandemie.

Konjunktur

 

Als Folge einer schwachen Konjunktur können die im Planungsprozess unterstellten Wachstumsparameter nicht erreicht werden, was sich negativ auf die Ergebnisentwicklung auswirkt.
Während größerer Wirtschaftskrisen kann es zu einem Zusammenbruch der Kreditfinanzierungsmärkte kommen.
Zunehmende protektionistische Tendenzen könnten den Welthandel im Allgemeinen, insbesondere aber den europäisch-amerikanischen Handel und damit den transatlantischen Luftverkehrsmarkt belasten. Daraus könnten sich für den Flughafen München wachstumshemmende Effekte ergeben.
Zusätzlich zu den oben genannten Erläuterungen besteht durch den Ausbruch der Pandemie eine starke Belastung der weltweiten Konjunktur. Seit dem zweiten Quartal 2021 ist im weltweiten Luftverkehrsmarkt eine langsame Erholungsphase spürbar.
Da die weitere Entwicklung der Pandemie unter anderem wegen möglicher Virusmutationen ungewiss ist, sind alle Prognosen mit sehr hohen Unsicherheiten behaftet. Aktuell ist nicht seriös abschätzbar, welche wirtschaftlichen Belastungen hieraus für den Flughafen München in den Folgejahren entstehen werden. Das weiterhin größte ökonomische Risiko stellt eine Verschlechterung des Pandemieverlaufs dar, was zu einer Ausweitung oder Neuauflage von Infektionsschutzmaßnahmen und zu einer Dämpfung der Konsum- und Investitionsausgaben führen kann.

 

Die Reduzierung der Ausgaben mittels Kostensenkungsmaßnahmen in allen Bereichen, der sozial verträgliche Personalabbau, die Kurzarbeit sowie eine kurzfristige Kürzung des Investitionsbudgets in nicht kritischen Bereichen sollen die Folgen von Konjunktureinbrüchen mindern.
Zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit bestehen revolvierende Kreditlinien beziehungsweise können Darlehen am Kapitalmarkt aufgenommen werden.
Im Zuge der Coronavirus-Pandemie hat der Flughafen München diese Gegenmaßnahmen frühzeitig eingeleitet, um die wirtschaftlichen Belastungen zu reduzieren. Ziel ist eine Ergebnis- und Liquiditätssicherung.

Betriebliche Risiken

Risiko

 

Beschreibung und Analyse

 

Gegenmaßnahme(n)

IT-Ausfall/Cyber-Angriffe

 

Ständige neue technologische Entwicklungen und die weltweit zunehmende Gefahr von Cyber-Angriffen führen zu Risiken in Bezug auf die Sicherheit von IT-Systemen und Netzwerken sowie die Datensicherheit. Im Bereich Cyber-Kriminalität ist ein zunehmendes, abstraktes Gefahrenpotenzial vorhanden, das einer stetigen Beobachtung und Einschätzung bedarf.
Ein Ausfall der IT für den Verkehrsbetrieb kann zu Betriebsunterbrechungen führen. Dies hätte finanzielle Einbußen sowie Reputationsschäden zur Folge.

 

Die unternehmenskritischen IT-Systeme sind grundsätzlich redundant und an räumlich getrennten Standorten untergebracht. Sachschäden und Betriebsunterbrechung sind über eine All-Risk-Versicherung abgedeckt.
Zur Abwendung einer Cybercrime-Attacke werden durch ein Informationssicherheitsmanagement strategische, technische und organisatorische Maßnahmen vorgegeben und kontrolliert, Führungskräfte und Mitarbeitende erhalten regelmäßig Schulungen. Im Juni 2021 bestätigte ein Audit das branchenübliche Sicherheitsniveau als Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS).
Im eigenen Kompetenzzentrum gegen Cyber-Kriminalität erarbeiten IT-Spezialisten des Flughafens gemeinsam mit erfahrenen IT-Security-Unternehmen neue Verfahren zur Bekämpfung von Cyber-Kriminalität. Zur Schadensreduzierung hat die FMG eine Versicherung gegen Cyber-Risiken abgeschlossen.
Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.

Wasserschaden

 

Ein Wasserschaden durch den Bruch von Trink- oder Löschwasserhauptleitungen kann zu einem Ausfall von wichtigen Infrastrukturanlagen für den Flugbetrieb führen.

 

Ferngesteuerte Notabschiebeeinrichtungen und zusätzliche Sicherungen der Rohrverbindungen begrenzen einen möglichen Schaden. Sachschäden und Betriebsunterbrechung sind versichert. Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.

Änderung von nationalen und EU-weiten Sicherheitsvorgaben

 

Für den Flughafen München gelten nationale und EU-weite Luftsicherheitsvorgaben, die unter anderem die Themenschwerpunkte Flughafensicherheit, Fluggast- und Handgepäckkontrollen, Luftfracht- und Luftpost- sowie Warenkontrollen umfassen.
Sicherheitsvorgaben werden fortlaufend an die aktuellen Gegebenheiten angepasst. Daraus können für den Flughafen München sowohl prozessuale als auch infrastrukturelle Änderungen entstehen. Entsprechende finanzielle Belastungen wären die Folge.

 

Über Verbands- und Gremienarbeit versucht der Flughafen München, die Auswirkungen möglichst gering zu halten. Durch frühzeitige Information über laufende Gesetzgebungsverfahren wird eine rechtzeitige Umsetzung der Sicherheitsauflagen sichergestellt.
Zusätzliche, durch infrastrukturelle Änderungen entstandene Ausgaben werden der Entgeltrahmenvereinbarung zugrunde gelegt.

Nichtbestehen einer EU-Sicherheits­inspektion

 

Die Luftfahrtbehörden der EU führen Sicherheitsinspektionen an Flughäfen durch. Bei Nichterfüllen der Sicherheitsstandards und anschließender Verfehlung des Nachaudits kann der Flughafen München seinen »Clean«-Status verlieren. Die Folgen wären eine Erhöhung der Sicherheitsauflagen, eine erhebliche Behinderung in den betrieblichen Prozessen, Wettbewerbsnachteile sowie ein Imageverlust.

 

Der Flughafen München führt ein durchgängiges und strenges Qualitätsmanagement zur Steuerung der Qualität aller Sicherheitsaspekte am Flughafen München durch.
Die durchgeführten Qualitätskontrollen haben gezeigt, dass die getroffenen Gegenmaßnahmen sowie das konsequente Monitoring wirken und ein – in Theorie und Praxis – sehr gut geschultes Personal eingesetzt wird.

Ver- und Entsorgungseinrichtungen

 

Die unzureichende Verfügbarkeit von betriebsnotwendigen Medien wie Strom, Wärme, Kälte, Trink- und Löschwasser, Abwasser und Abfall kann zu Sachschäden und Betriebsunterbrechungen führen.

 

Wartung und Instandhaltung, Netzredundanzen und Bevorratung reduzieren das Risiko von Versorgungslücken. Sachschäden und Betriebsunterbrechung sind versichert.
Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.

Sanierung Ground Handling

 

Der Erfolg der Sanierung des ehemaligen Geschäftsbereichs Ground Handling könnte durch folgende ungewisse Ereignisse und Umstände gefährdet werden: nachhaltige Verkehrsrückgänge bei Bestandskunden, Abfertigungsverluste aufgrund der Abgabe von Teilflotten an Dritte, aggressive Preispolitik der Wettbewerber und zunehmender Preisverfall am Flughafen München.
Durch die Coronavirus-Pandemie gewinnt dieses Risiko immer mehr an Bedeutung, da hohe Verkehrsrückgänge zu verzeichnen sind.

 

In den Verhandlungen zur Verlängerung des Langfristvertrags mit einem wichtigen Kunden der AE München wurde Ende 2016 ein Vertrag bis Oktober 2024 abgeschlossen. Dadurch konnten einhergehende Sanierungstarifverträge verlängert werden.
Zur Kompensation von wegfallenden Abfertigungsvolumina finden laufend Gespräche mit potenziellen Neukunden statt. Im Fall eines Abfertigungsverlusts werden Kapazitäten und damit einhergehende Kosten abgebaut. Es erfolgen eine ständige Kontrolle und ein Reporting des Sanierungsfortschritts beziehungsweise Sanierungspfads.
Um das Ground Handling wegen des pandemiebedingt deutlichen Einbruchs der Abfertigungsvolumina zukunftsfähig aufzustellen, wurde das Veränderungsprogramm »Restart« umgesetzt.

Personalsituation

 

Vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie befindet sich der Flughafen München im Krisenmodus. Wegen der massiven Verkehrseinbrüche geht der Konzern derzeit von einem deutlich niedrigeren Personalbedarf aus.
Der Flughafen München konzentriert sich auf die Bewältigung der Krise und ergreift Maßnahmen, die einerseits die Gesundheit der Mitarbeitenden sicherstellen sollen und andererseits dazu dienen, die wirtschaftlichen Konsequenzen abzufedern.
Unabhängig von der angespannten Personalsituation wird darauf geachtet, dass ausreichend qualifiziertes Personal zur Aufrechterhaltung der Betreiberverantwortung zur Verfügung steht.

 

Zur Ergebnis-/Liquiditätssicherung wird die Personalkapazität an die gesunkene Arbeitsmenge angepasst.
Das konzernweite Veränderungsprogramm »Restart« beinhaltete hierzu den Abschluss von Vorruhestandsvereinbarungen sowie eine Reorganisationsvereinbarung mit den Arbeitnehmervertreter:innen.
Nach Beendigung der Möglichkeit zur Kurzarbeit wirkt der zwischen der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und Verdi/Beamtenbund dbb für die Flughafen München GmbH abgeschlossene Notlagentarifvertrag ebenfalls ergebnis- und liquiditätssichernd.

Drohnen

 

Nachdem die Bundesregierung 2017 verschärfte Regeln zum Betrieb von Drohnen in Flughafenkontrollzonen beschlossen hatte, ergänzte die EU-Kommission 2019 eine Vorschrift zum sicheren Betrieb von Drohnen. Auf nationaler Ebene wurde auf dieser Grundlage die rechtliche Zuständigkeit geregelt. An allen deutschen Verkehrsflughäfen ist die Deutsche Flugsicherung (DFS) zuständig. Einzelheiten hierzu wurden am 17. Juni 2021 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und sind in Kraft.
Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wird die Detektion und Abwehr von Drohnen als hoheitliche Aufgabe eingeordnet. Sie liegt somit nicht beim Flughafenbetreiber.

 

Um Auswirkungen auf den Betrieb unter Safety- und Security-Aspekten möglichst gering zu halten, hat der Flughafen München Maßnahmen ergriffen. Hierzu gehören unter anderem die Mitwirkung an der einheitlichen Regulation von Drohnenverkehr über Verbände (ADV, ACI, BDL) sowie die Mitwirkung bei EASA-Initiativen, die Aufklärung der Öffentlichkeit und die Mitwirkung bei einem Testprojekt zur »Technologie für zukünftige Drohnendetektion« mit der DFS.
Die im Testprojekt gezeigten Systeme müssen weiterentwickelt werden, damit ein effektiver, verlässlicher Einsatz an Verkehrsflughäfen gewährleistet ist. Dazu ist die DFS mit Unterstützung des Flughafens München in engem Austausch mit Systemherstellern.
Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen liegt das Netto-Risiko unter der Risikotoleranzgrenze.

Rechtliche Risiken

Risiko

 

Beschreibung und Analyse

 

Gegenmaßnahme(n)

Dritte Start- und Landebahn

 

Bedingt durch die Verschiebung der Entscheidung zur Realisierung der dritten Start- und Landebahn sind alle bisher angefallenen Planungs- und Grunderwerbskosten kontinuierlich auf ihre Werthaltigkeit hin zu überprüfen und gegebenenfalls abzuschreiben.
Auswirkungen aus dem 2018 vereinbarten Moratorium sowie der Coronavirus-Pandemie wurden in den Vorjahren bilanziell berücksichtigt. 2021 gab es keinen Anpassungsbedarf.
Ohne Kapazitätserweiterung durch den Bau der dritten Start- und Landebahn könnte es mittel- und langfristig zu einem signifikanten Unternehmenswertverlust kommen. Beeinflusst wird dieser vor allem durch ein Stagnieren beziehungsweise einen Rückgang des Verkehrsaufkommens und damit verbunden durch geringere Erlöse in den Bereichen Aviation und Non-Aviation.
Die weitere Entwicklung der Coronavirus-Pandemie und deren Auswirkungen auf die Luftverkehrsindustrie unterliegen zum derzeitigen Zeitpunkt einer hohen Unsicherheit und hängen insbesondere von den internationalen Reisebeschränkungen und -warnungen ab. Aufgrund des aktuellen Impfgeschehens ist vorgesehen, das Risiko 2022 neu zu bewerten und hinsichtlich der Einstufung zu überprüfen.

 

Die Bestätigung des Planfeststellungsbeschlusses durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) vom 19. Februar 2014 und im Folgejahr durch das Bundesverwaltungsgericht hat eine Begrenzung der rechtlichen Risiken für die Projektumsetzung zur Folge.
Als Gegenmaßnahmen zum signifikanten Unternehmenswertverlust sind die Diversifikation der Produktpalette und die Ausweitung des Auslandsgeschäfts geplant beziehungsweise bereits in der Umsetzung. In den Vorjahren startete das Projekt »LabCampus«, mit dem der Flughafen München beabsichtigt, einen einzigartigen Standort für Innovation und branchenübergreifende Kooperation zu schaffen. Die Expansion in den USA wird weiterhin umgesetzt.
Die dritte Start- und Landebahn bleibt für den Flughafen München mittel- und langfristig ein zentrales strategisches Zukunftsprojekt.

EU-Datenschutz-Grundverordnung

 

Neben den in der Risikomatrix aufgeführten rechtlichen Risiken bestehen Risiken im Zusammenhang mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die DSGVO erweitert die bestehenden Pflichten aus dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und erhöht die rechtlichen, betrieblichen und technisch-organisatorischen Anforderungen an den Datenschutz. Eine Verletzung dieser Rechte und Pflichten könnte hohe Bußgelder, Schadenersatzklagen, Abmahnungen sowie Reputationsschäden nach sich ziehen.
Aktuell werden am Flughafen München Fragestellungen im Zusammenhang mit der Nutzung der Videoüberwachung durch das CCTV-System (Closed Circuit Television) betrachtet.

 

Am Flughafen München wurde das Projekt zur Umsetzung der Anforderungen der DSGVO erfolgreich abgeschlossen. Damit wurden organisatorische Strukturen, Prozesse und deren Dokumentation angepasst sowie das Bewusstsein für Datenschutz im Konzern geschärft.
Als Gegenmaßnahmen für Datenschutzrisiken aus dem CCTV wurden insbesondere folgende Maßnahmen getroffen: Rollennutzungskonzept, Neubeschilderung zum Hinweis auf Videoüberwachung, Neuverhandlung der Betriebsvereinbarung zu CCTV, Konsolidierung der Rechtsgrundlage, Durchführung einer Datenschutz-Folgenabschätzung.
Auch hat der Flughafen München Datenschutzbeauftragte benannt sowie Datenschutzkoordinator:innen implementiert, die fortlaufend durch die Konzerneinheit Compliance geschult und sensibilisiert werden.
Das Brutto-Risiko liegt hierfür unter der Risikotoleranzgrenze der FMG und ging daher nicht in die Darstellung der Risikomatrix ein.

Baupreissteigerungen

 

Risiken können bei Bauprojekten durch Baupreissteigerungen, Lieferantenausfälle, Planungsverzögerungen und externe Einflüsse aus Öffentlichkeit, Umwelt, Politik, Technologiewechsel, Regeln der Technik oder sonstige Anforderungen entstehen, unter anderem durch die Verschiebung von Bauvorhaben.
2021 verzeichneten die Preise im deutschen Baugewerbe ihren höchsten Anstieg seit 1970. Wesentliche Ursache hierfür sind die Preissteigerungen bei Roh- und Ausbauarbeiten.

 

Die Investitionsprojekte werden hinsichtlich ihrer betriebswirtschaftlichen Rentabilität, ihrer Finanzierbarkeit und der mit den Investitionen verbundenen Risiken angemessen geplant und während der Durchführung laufend überwacht.
Derzeit werden nur diejenigen Projekte umgesetzt, die unter dem Aspekt der Eigentümer- beziehungsweise Betreiberverantwortung für den Flughafen München betriebsrelevant und -notwendig sind, sich bereits in der Umsetzung befinden oder für die eine gesetzliche Verpflichtung besteht beziehungsweise für strategische Zukunftsprojekte.
Das Brutto-Risiko liegt hierfür unter der Risikotoleranzgrenze der FMG und ging daher nicht in die Darstellung der Risikomatrix ein.

Der Flughafen München ist im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mit unterschiedlichen Rechtsstreitigkeiten konfrontiert. Diese können insbesondere zur Zahlung von Schadenersatz oder im Rahmen von Bauprojekten zu Änderungen der Leistungsvergütung führen. Ferner können weitere Rechtsstreitigkeiten eingeleitet oder bestehende Rechtsstreitigkeiten ausgeweitet werden. Neben den Sachverhalten, für die bereits bilanzielle Vorsorge getroffen wurde, erwartet der Flughafen München aus weiteren bekannten Fällen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage.

Bei ausländischen Tochtergesellschaften können sich im Rahmen der Beratung von anderen Flughäfen und des Betriebs von Terminals insbesondere Risiken aus der Übernahme der operativen Betriebsverantwortung im Ausland ergeben. Flughafenbetreiberprojekte unterliegen wie der Standort München selbst allgemeinen volkswirtschaftlichen und unternehmensspezifischen Risiken. Aus risikominimierenden Gründen arbeitet der Flughafen München daher mit lokalen Partnern zusammen, die über Erfahrungen hinsichtlich der jeweiligen landestypischen Bestimmungen und Gegebenheiten verfügen. Im Zusammenhang mit Flughafenbetreiberprojekten, die in der Regel lange Laufzeiten vorweisen, ergeben sich insbesondere aus der Einschätzung der zukünftigen Luftverkehrsentwicklung und des Konsumverhaltens der Flugreisenden Risiken. Dies wurde insbesondere durch die Coronavirus-Pandemie verstärkt sichtbar. Ein mögliches Ausbleiben des Wachstums und/oder ein möglicherweise rückläufiger Luftverkehr, unter anderem verbunden mit verspäteten Ausbauvorhaben, könnten die Ertragsentwicklung der ausländischen Gesellschaften wesentlich nachteilig beeinflussen, woraus sich folglich Risiken für das investierte Kapital ergäben. Der Flughafen München ist derzeit bestrebt, mit entsprechenden vertraglichen Regelungen gegenüber dem Auftraggeber einen Ausgleichsmechanismus zu vereinbaren. Um vor allem Haftungsrisiken für den Flughafen München zu begegnen, wurden im Ausland lokale Gesellschaften mit beschränkter Haftung gegründet, welche als selbstständige Einheiten und als lokale Auftragnehmer agieren. Ebenso können Risiken durch unvorhergesehene behördliche Eingriffe in die Tarif-, Steuer- und Abgabenstruktur der Flughäfen oder auch durch vertragliche Verletzungen zum Nachteil der Flughafenbetreiber entstehen.

Ein allgemeines Risiko besteht auch aus steuerlichen (Betriebs-)Prüfungen von Steuerbehörden.

Zusätzlich zu den in der Matrix dargestellten Risiken bestand im Vorjahr das Risiko im Zusammenhang mit Flächenenteisungsmitteln. Durch erfolgreiche Gegenmaßnahmen ist dieses Risiko zum 31. Dezember 2021 unter die Risikotoleranzgrenze gefallen.

Finanz­risiken

Für die nachfolgend aufgeführten Brutto-Finanz­risiken lag die erwartete wirtschaftliche Belastung zum 31. Dezember 2021 unter der Meldegrenze. Sie gingen daher nicht in die Risikoberichterstattung ein. Die Überwachung und Steuerung dieser Risiken sind Aufgabe des zentralen Finanz- und Cashmanagements.

Finanzrisiken

Risiko

 

Beschreibung und Analyse

 

Gegenmaßnahme(n)

Währungsrisiken

 

Soweit geplanten Umsätzen in Fremdwährungen keine entsprechenden währungskongruenten Ausgaben gegenüberstehen, ergeben sich Währungsrisiken.

 

Währungsrisiken sichert der Flughafen München mit Devisentermingeschäften ab.

Kredit- und Bonitätsrisiken

 

Kredit- und Bonitätsrisiken entstehen vor allem aus kurzfristigen Geldanlagen sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.

 

Geldanlagen erfolgen nur bei (in der Regel deutschen) Kreditinstituten, die einer entsprechenden Einlagensicherung unterliegen.
Zum Management von Bonitätsrisiken gehören eine Bonitätsprüfung der Kunden, eine stetige Überwachung der offenen Posten und ein stringentes Mahnwesen. In Abhängigkeit von der Bonität werden bestimmte Aufträge nur gegen Vorauszahlung oder Stellung von Sicherheiten in Form von Bürgschaften erbracht.

Zinsänderungsrisiko

 

Zinsrisiken ergeben sich im Wesentlichen aus variabel verzinsten Finanzschulden aus Darlehen sowie Finanzschulden gegenüber Gesellschaftern.

 

Zinsrisiken aus variabel verzinsten Finanzschulden aus Darlehen begegnet der Flughafen München durch Absicherung mit Zinspayerswaps.

Liquiditätsrisiko

 

Der Flughafen München überwacht im Rahmen der langfristigen Wirtschaftsplanung und der kurz- und mittelfristigen Finanzplanung das Risiko. Um die Zahlungsfähigkeit jederzeit sicherzustellen, werden auf Basis einer rollierenden Liquiditätsplanung langfristige Kreditlinien und liquide Mittel vorgehalten.
Im Zuge der Coronavirus-Pandemie gewinnt dieses Risiko immer mehr an Bedeutung.
Es können sich Risiken aus der Kreditvergabepraxis der Banken und geänderte Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ergeben.

 

Zur Sicherstellung der Liquidität in der Pandemie hat der Flughafen München ein gesondertes Liquiditätsmanagement aufgesetzt. Die Liquiditätsplanung berücksichtigt dabei das laufende Geschäft, die Investitionen sowie die Finanzierungsaspekte für den gesamten Konzern.
Neben den Kostenreduzierungen, wie unter den Risiken »Konjunktur« und »Personalsituation« beschrieben, steht das Verschieben beziehungsweise das Vermeiden von Investitionsprojekten im Fokus.
Darüber hinaus hat der Flughafen München zur Liquiditätssicherung im Jahr 2021 Darlehen über ein Gesamtvolumen von 425 Millionen Euro abgeschlossen. Zudem bestehen revolvierende Kreditlinien.

Nach Berücksichtigung der Gegenmaßnahmen verbleiben folgende Netto-Risiken:

Übersicht Netto-Risiken

Übersicht Netto-Risiken (Matrix)

Chancen

Der Flughafen München steht als internationales Luftverkehrsdrehkreuz im Wettbewerb mit anderen großen Verkehrsflughäfen. Für den Erhalt und Ausbau der Marktposition des Flughafens ist ein funktionelles und zielgerichtetes Chancenmanagement von zentraler Bedeutung. Dies ist am Flughafen München integraler Bestandteil der Strategie- und Planungsprozesse. Als Chancen werden künftige Entwicklungen und Ereignisse gesehen, die zu einer positiven Planungs- oder strategischen Zielabweichung führen können. Dabei werden sowohl externe (zum Beispiel Veränderungen im Marktumfeld) als auch interne Chancen (zum Beispiel Programme zur Effizienzsteigerung) betrachtet.

Für die Ableitung und Umsetzung von Maßnahmen zur Chancennutzung sind alle Bereichsleiter:innen und Geschäftsführer:innen der Tochter- und Beteiligungsunternehmen verantwortlich. Sie werden dabei durch den Konzernbereich Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement unterstützt. Darüber hinaus sind prinzipiell alle Mitarbeitenden der Flughafen München GmbH in den Geschäftsfeldern und ihrer Tochtergesellschaften dazu angehalten, im Rahmen ihrer täglichen Arbeit Chancen zu identifizieren und an ihre Vorgesetzten zu melden. Um die unternehmenseigenen Ressourcen optimal zu nutzen, betreibt der Flughafen München neben einem klassischen Ideenmanagement auch ein professionelles und toolgestütztes Innovationsmanagement (Erläuterungen hierzu im Kapitel Innovations- und Ideenmanagement).

Grundsätzlich strebt der Flughafen München ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Chancen und Risiken an. Sofern es wahrscheinlich ist, dass die Chancen eintreten, wurden diese bereits in die Prognose 2022 beziehungsweise die mittel- und langfristige Planung aufgenommen. Die dargestellten Chancen konzentrieren sich deshalb auf künftige Entwicklungen oder Ereignisse, die zu einer für den Flughafen München positiven Abweichung von der Prognose und der mittel- und langfristigen Planung führen können.

Die Bewertung der Chancen orientiert sich an der Systematik der Risikobewertung. Der aus den Chancen resultierende wirtschaftliche Vorteil und die Eintrittswahrscheinlichkeit werden analog zu den betrachteten Risiken in die folgenden Kategorien eingeteilt:

Wirtschaftlicher Vorteil

 

Betrag in €

gering

 

1-5 Mio.

mittel

 

5-30 Mio.

hoch

 

30-150 Mio.

sehr hoch

 

>150 Mio.

Eintrittswahrscheinlichkeit

 

Prozentuale Intervalle

sehr gering

 

5-10 %

gering

 

10-25 %

mittel

 

25-50 %

hoch

 

>50 %

Die Eintrittswahrscheinlichkeit und finanziellen Aus­wirkungen (wirtschaftlicher Vorteil) werden, anders als bei den Risiken, nicht separat ausgewiesen, sondern in den Chancenkategorien »hohe Relevanz« und »geringe Relevanz« zusammengefasst.

Da der Flughafen München mit teils sehr langen Planungszeiträumen konfrontiert ist, erfolgt für die Chancen zusätzlich eine Angabe des Eintrittszeitpunkts in kurz-, mittel- oder langfristig.

Fristigkeit

 

Zeitraum

kurzfristig

 

<2 Jahre

mittelfristig

 

2–5 Jahre

langfristig

 

>5 Jahre

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich zum 31. Dezember 2021 geringfügige Änderungen bei den identifizierten Chancen ergeben. Die Chance »Off-Campus« wurde grundsätzlich überarbeitet und in »Internationales Geschäft« umbenannt.

Übersicht Chancen am Flughafen München

Chancen

 

Bewertung

 

Eintrittszeitpunkt

 

Zusammenfassung der Maßnahmen

Entwicklung der Coronavirus-Pandemie

 

hohe Relevanz

 

kurz- und mittelfristig

 

  • systematische Beobachtung der Pandemieentwicklung und Maßnahmenableitung
  • enge Zusammenarbeit mit relevanten Stakeholdern (vor allem Airlines)

Volkswirtschaftliche Entwicklung

 

hohe Relevanz

 

kurz- und mittelfristig

 

  • fortlaufende Beobachtung der globalen Wirtschaftsentwicklung
  • Ableitung von Maßnahmen zur Chancennutzung in allen relevanten Geschäftsfeldern

Marktentwicklung

 

hohe Relevanz

 

kurz-, mittel- und langfristig

 

  • intensive Airline-Akquise
  • Qualitätsmanagement
  • enge Zusammenarbeit mit Systempartner DLH

Regulierung und Gesetzgebung

 

geringe Relevanz

 

langfristig

 

  • Verbandsarbeit
  • Nutzung der Expertise im Bereich Corporate Communication & Politics

Schienenanbindung

 

hohe Relevanz

 

langfristig

 

  • intensiver Kontakt mit politischen Entscheidungsträgern und der Deutschen Bahn
  • eigene Expertise im Bereich Schienenanbindung

Zins- und Wechsel­kursentwicklung

 

geringe Relevanz

 

kurzfristig

 

  • Anpassung Produkt- und Service-Portfolio im Einzelhandelsbereich

Umsetzung von Klimaschutz­maßnahmen (CO2-Strategie)

 

geringe Relevanz

 

langfristig

 

  • Fokussierung auf regionale, regenerative Energieversorgung und Einführung emissionsreduzierender Technologien

Interne Prozess- und Effizienz­verbesserungen

 

geringe Relevanz

 

kurzfristig

 

  • intensive Nutzung der im Unternehmen vorhandenen Expertise
  • effiziente Ausrichtung sowie organisatorische Veränderungen

Internationales Geschäft

 

geringe Relevanz

 

mittel- bis langfristig

 

  • intensive Beobachtung relevanter Märkte
  • laufende Anpassung des Produkt- und Dienstleistungsportfolios
  • Beobachtung des ausländischen Geschäfts und Weiterentwicklung

Real Estate

 

geringe Relevanz

 

langfristig

 

  • intensive Beobachtung relevanter Märkte
  • professionelle Kundenakquise

Entwicklung der Coronavirus-Pandemie

Die Reise- und Tourismusindustrie ist aufgrund der weltweit stark eingeschränkten Mobilität besonders von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Die weitere Entwicklung insbesondere hinsichtlich der Mobilitätsbeschränkungen ist daher von herausragender Bedeutung für die Erholung im weltweiten Luftverkehr und damit auch für den ökonomischen Erfolg des Flughafens München. Aktuell wird allgemein davon ausgegangen, dass die Luftverkehrsindustrie mehrere Jahre brauchen wird, um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen. Weiterer medizinischer Fortschritt und die Ausbreitung äußerst ansteckender, aber weniger pathogener Virusvarianten könnten zu einem schnelleren Ende der Coronavirus-Pandemie führen. Die verbliebenen internationalen Reisebeschränkungen und -warnungen könnten dann früher als erwartet aufgehoben werden. Dies hätte einen deutlich positiven Einfluss auf das EBT des Flughafens München. Der Konzern beobachtet die weitere Entwicklung systematisch und steht im Rahmen seiner Akquisetätigkeit in engem Kontakt mit Fluggesellschaften. Ziel ist es, überdurchschnittlich an einer Erholung zu partizipieren.

Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer frühzeitigen Erholung aktuell als gering eingestuft wird, ist die daraus resultierende Chance aufgrund ihres hohen Ergebniseffekts mit »hoher Relevanz« zu bewerten.

Volkswirtschaftliche Entwicklung

Es besteht eine enge Korrelation zwischen dem Wachstum des nationalen sowie globalen Wirtschaftsaufkommens und des Luftverkehrs (Zusammenhang wird aktuell durch staatliche Reisebeschränkungen und Reisezurückhaltung in der Bevölkerung überlagert). Die Coronavirus-Pandemie stürzte die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise. Es kam in fast allen großen Volkswirtschaften zu einem deutlichen Einbruch der Wirtschaftsleistung. Im Geschäftsjahr 2021 war eine Erholung der Weltwirtschaft zu beobachten, die sich 2022 fortsetzen dürfte. Krisenbedingte Liefer­schwierigkeiten bei wichtigen Vorprodukten, die insbesondere die Industrie belasten, hemmen die grundsätzlich positive Entwicklung. Auch waren Konsum­möglichkeiten durch die anhaltenden Corona-Regeln eingeschränkt, was zu einer erheblichen Überschussersparnis bei den privaten Haushalten führte. Sollten sich die Lieferschwierigkeiten zügig auflösen und die angehäuften Ersparnisse ausgegeben werden, besteht die Chance einer schnelleren Erholung der Wirtschaft und eines damit einhergehenden Wachstums des Luftverkehrs.

In den vergangenen Jahren konnten in verschiedenen Ländern protektionistische handelspolitische Tendenzen beobachtet werden. Prominente Beispiele hierfür sind die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China und der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit). Da das Luftverkehrsaufkommen stark vom Grad der Globalisierung der Weltwirtschaft abhängt, haben protektionistische Maßnahmen grundsätzlich einen bremsenden Effekt auf den weltweiten Luftverkehr. Sollten sich diese Tendenzen in den Folgejahren umkehren und politisch wieder verstärkt auf die globale Arbeitsteilung gesetzt werden, könnte dies das Wirtschafts- und Luftverkehrswachstum fördern.

Unterschiedliche Unternehmensbereiche des Flughafens München beobachten intensiv alle weltweit relevanten Volkswirtschaften. So werden Potenziale für die verschiedenen Geschäftsfelder (zum Beispiel Aviation, Commercial, internationales Geschäft) erkannt und entsprechende Maßnahmen zur Chancennutzung dezentral eingeleitet.

Da die volkswirtschaftliche Entwicklung einen der zentralen Einflussfaktoren für den Luftverkehr darstellt, sind die daraus resultierenden Chancen kurz- und mittel­fristig mit »hoher Relevanz« zu bewerten.

Marktentwicklung

Entwicklungen bei den Fluggesellschaften sind von besonderer Bedeutung für das Verkehrsaufkommen an Flug­häfen. Die Fluggesellschaften stehen aktuell vor historisch beispiellosen Herausforderungen. Die momentane Situation ist aufgrund des nach wie vor deutlich eingeschränkten Verkehrsaufkommens mit erheblichen Verlusten für die Fluggesellschaften verbunden. Da vor Ausbruch der Pandemie bereits ein klarer Trend hin zu einer Konsolidierung des europäischen Airline-Markts zu beobachten war, ist nun aufgrund der Krisenauswirkungen mit einer Fortsetzung beziehungsweise sogar mit einer Intensivierung dieses Trends zu rechnen. Aktuell ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Flugreisen über einen längeren Zeitraum unterhalb des Vorkrisenniveaus verbleibt. Im Falle einer weitreichenden Konsolidierung der Flug­gesellschaften würde sich die Nachfrage allerdings auf weniger Anbieter verteilen. Darüber hinaus erscheint es möglich, dass die verbleibenden Netzwerk-Carrier verkleinert aus der Krise hervorgehen und sich auf Drehkreuzstandorte konzentrieren, um ihre Verkehre effizient zu bündeln.

Der Flughafen München betreibt seit Längerem ein intensives Qualitätsmanagement und hat als einer von wenigen Flughäfen weltweit den Status eines 5-Star-Airports. Auch verfügt er über ein äußerst attraktives Einzugs­gebiet, sowohl hinsichtlich geschäftlicher als auch privater Reisen und betreibt seit Jahren eine professionelle Airline-Akquise. Mit der Deutschen Lufthansa hat der Flughafen München einen wichtigen Kunden, der am Standort München ein Drehkreuz betreibt und auch zukünftig daran festhalten möchte. Darüber hinaus beruht die Zusammenarbeit auf gemeinschaftlichen Investitionen und langfristigen Kooperationsabkommen.

Sollte es zu einer weitgehenden Konsolidierung des Airline-Markts kommen, könnte der Flughafen München mittelfristig überproportional an der Erholung im Luftverkehrsmarkt partizipieren, was zu einer überplan­mäßigen Ergebnisentwicklung führen könnte.

Obwohl eine solche Entwicklung aufgrund der aktuellen Situation unsicher ist, ist die daraus resultierende Chance aufgrund ihres Einflusses auf die weitere Unternehmensentwicklung mittel- und langfristig mit »hoher Relevanz« zu bewerten.

Regulierung und Gesetzgebung

Der Luftverkehr ist ein historisch stark regulierter Markt. Dementsprechend stellen Gesetze, Verordnungen und internationale Abkommen auch in der heutigen Zeit noch einen entscheidenden Einflussfaktor für den Luftverkehr dar. Die Einführung neuer sowie die Änderung bestehender Regulierungen kann Risiken, aber auch Chancen für die Marktteilnehmer bergen.

Im Jahr 2011 führte die Bundesregierung mit der deutschen Luftverkehrsabgabe eine Ticketsteuer ein, welche zum 1. April 2020 erhöht wurde. Die Abgabe dient der Umsetzung von klimapolitischen Zielen. Ziel der Erhöhung ist es, eine Verlagerung des Verkehrsaufkommens auf die Schiene zu erreichen. Die Luftverkehrsabgabe hat aufgrund ihres nationalen Charakters wettbewerbsverzerrende Effekte im europäischen Luftverkehrsmarkt zur Folge. Dies führt dazu, dass Flugreisende aus grenz­nahen Gebieten vermehrt Flughäfen im Ausland als Abflugort wählen. Sollte die Luftverkehrssteuer durch effektivere internationale klimapolitische Instrumente abgelöst werden, könnten dadurch wettbewerbsverzerrende Effekte abgebaut werden. Dies könnte in der Folge zu einer Erhöhung des Verkehrsaufkommens am Flughafen München führen.

Im Zuge der aktuellen Krise nahm die Diskussion zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraums (Single European Sky) an Fahrt auf. Die Europäische Kommission hat das Programm Single European Sky bereits im Jahr 1999 gestartet. Neben der Einführung einheitlich hoher Sicherheitsstandards wird dabei auf eine Erweiterung der Luftraumkapazität und eine öko­nomischere supranationale Kooperation der einzelnen nationalen Flug­sicherungsorganisationen abgezielt. Konkret geht es unter anderem darum, den Airlines wirtschaftlichere Flugrouten (direkte Luftlinie) zu ermöglichen, da hier immer noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht. Durch effizientere Flugrouten könnten signifikant Kerosin eingespart und damit CO2-Emissionen vermieden werden (bis zu 10 %). Während Letzteres einen positiven Imagegewinn für den Luftverkehr als Ganzes mit sich bringen könnte, würde sich Ersteres aufgrund der niedrigeren Kosten positiv auf die Nachfrage nach Flugreisen auswirken. Es handelt sich bei Single European Sky allerdings um eine überaus komplexe Thematik, da dabei Fragen nationaler Souveränität der einzelnen europäischen Staaten berührt werden. Die Erarbeitung von Lösungs­ansätzen muss dementsprechend im Zusammenspiel aller nationalen und europäischen Akteure und im Dialog mit der Industrie stattfinden.

Um Chancen aus Regulierung und Gesetzgebung adäquat zu nutzen, unterhält der Flughafen München die Abteilung Politik & Region und engagiert sich in verschiedenen Luftverkehrsverbänden, wie etwa dem BDL. Zentrales Ziel ist es dabei, wichtige Regulierungen für den Luftverkehrssektor mitzugestalten und wettbewerbsverzerrenden Effekten entgegenzuwirken.

Zusammenfassend betrachtet sind die Chancen aus Regulierung und Gesetzgebung aufgrund der geringen Eintrittswahrscheinlichkeit aktuell mit »geringer Relevanz« zu bewerten.

Schienenanbindung

Insbesondere die EU fordert seit Längerem eine möglichst effiziente und damit ressourcenschonende Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger. Zu diesem Zweck ist es sinnvoll, vor allem die großen europäischen Drehkreuzflughäfen optimal an die Schieneninfrastruktur anzubinden. Im Zusammenhang mit der intensiv geführten Klimaschutzdebatte hat dieses Thema in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen.

Hinsichtlich der Schienenanbindung des Münchner Flughafens sind mit dem Erdinger Ringschluss, der Walpertskirchener Spange, der zweiten Stamm­strecke in München sowie der Ausbaustrecke 38 München-Mühldorf-Freilassing/Salzburg mehrere Projekte in der konkreten Planung beziehungsweise in der Umsetzung. Sollte darüber hinaus eine adäquate Anbindung an das Fernbahnnetz erfolgen, könnte der Flughafen München effizient in ein künftiges multimodales Verkehrssystem integriert werden. Das Passagiereinzugsgebiet würde sich dadurch erweitern und damit eine überplanmäßige Ergebnisentwicklung ermöglichen.

Der Flughafen München verfügt über die nötige Expertise zu diesem Thema und steht in intensivem Kontakt mit regionalen und überregionalen Behörden sowie mit der Deutschen Bahn. Ziel ist es dabei, eine optimale Anbindung des Flughafens an das Fernbahnnetz zu realisieren, was einen erheblichen wirtschaftlichen Vorteil mit sich bringen würde. Die resultierende Chance ist langfristig mit »hoher Relevanz« zu bewerten.

Zins- und Wechselkursentwicklung

Günstige Zins- und Wechselkursentwicklungen können sich positiv auf das Finanzergebnis des Konzerns auswirken. Dementsprechend können Währungseffekte aus der Umrechnung von Ergebnissen, die nicht auf Euro lauten, in die funktionale Währung des Konzerns (Euro) die Finanzergebnisse positiv beeinflussen.

Im Einzelhandelsgeschäft am Flughafen München spielen internationale Kunden (außerhalb der Eurozone) aufgrund teilweise deutlich überdurchschnittlicher Retail-Ausgaben eine besondere Rolle. Interne Analysen haben ergeben, dass sich Schwankungen im Wechselkurs (Euro versus Fremdwährung) signifikant auf die Einzelhandelserlöse auswirken. Eine Aufwertung relevanter Fremdwährungen gegenüber dem Euro bietet daher das Potenzial einer überplanmäßigen Ergebnisentwicklung. Aufgrund der krisenbedingt niedrigen Passagierzahlen und des damit verbundenen Einbruchs der Einzelhandelsumsätze ist dieser Effekt im Vergleich zu den Vorjahren allerdings deutlich abgeschwächt.

Das Zinsniveau liegt nach wie vor auf einem historisch niedrigen Stand. Eine Verbesserung der Finanzierungskonditionen kann weitgehend ausgeschlossen werden. Der Flughafen München geht daher in seiner Planung von steigenden Zinssätzen für Darlehen mit variabler Verzinsung aus. Sollte das Zinsniveau im Planungszeitraum allerdings weniger stark steigen als angenommen, hätte dies einen positiven Effekt auf das EBT des Konzerns.

Nichtsdestotrotz geht der Flughafen München insgesamt davon aus, von vorteilhaften Entwicklungen auf den Finanzmärkten profitieren zu können.

Insgesamt ist die aus Zins- und Wechselkursentwicklungen entstehende Chance aufgrund der aktuellen Krisen­situation kurzfristig betrachtet mit »geringer Relevanz« zu bewerten.

Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen

Der Flughafen München verfolgt das Klimaziel »C02-Neutralität bis 2030«. Er wird den von ihm beeinflussbaren C02-Footprint durch eine Kombination von Reduktions- und Offsetting-Maßnahmen auf null senken. Die Umsetzung dieser CO2-Strategie ist mit Kosten verbunden. Im Bereich der Energieerzeugung und -einsparung sowie der erneuerbaren Energien ist allgemein eine fortschreitende Effizienzsteigerung zu beobachten. Sollte sich diese Entwicklung in beschleunigtem Maß fortsetzen, könnten durch ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bei der emissionsarmen Energieerzeugung die Kosten für die CO2-Neutralität des Flughafens München das erwartete Niveau unterschreiten. Die Bereiche Umwelt, Technik sowie das strategische Nachhaltigkeitsmanagement des Flughafens beobachten diesbezügliche Trends.

Langfristig könnte eine damit verbundene überplan­mäßige Ergebnisentwicklung einhergehen. Trotz sich ändernder politischer Anreiz- beziehungsweise Sanktions­mechanismen ist die daraus resultierende Chance aufgrund des vergleichsweise geringen Ergebniseffekts mit »geringer Relevanz« zu bewerten.

Interne Prozess- und Effizienzverbesserungen

Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie haben den Flughafen München dazu veranlasst, das Veränderungsprogramm »Restart« aufzusetzen. Das Programm diente dazu, das Unternehmen zukunftsfähig und effizient aufzustellen. Neben Maßnahmen zur Anpassung der Personal­kapazität wurden im Rahmen des Programms auch organisatorische Veränderungen erarbeitet. Die Führungsstrukturen sowie die Schnittstellen zwischen Abteilungen standen dabei ebenso auf dem Prüfstand wie die Unternehmensstrategie und die Konzernstruktur. Erste Abschätzungen zu ergebnisverbessernden Effekten des Programms sind Bestandteil der den Gremien der FMG Ende 2020 vorgelegten mittelfristigen Planung. Die Maßnahmen des Programms wurden im Laufe des Jahres 2021 konkretisiert und anschließend umgesetzt. Da die wirtschaftlichen Effekte des Veränderungs­programms »Restart« bereits in der mittelfristigen Planung des Flughafens München berücksichtigt und dabei ambitionierte Zielsetzungen unterstellt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit einer deutlich überplanmäßigen Entwicklung als gering einzustufen. Die daraus resultierende Chance wird demnach aktuell mit »geringer Relevanz« bewertet.

Internationales Geschäft

Das internationale Geschäft des Flughafens München könnte sich besser entwickeln als erwartet.

Nach der Pandemie wird sich das gesamtwirtschaft­liche Umfeld erholen und die Nachfrage nach Beratungs- und Managementleistungen wieder steigern. Mittelfristig könnten auch der weitere Zukauf von flughafenaffinen Beratungsfirmen sowie das Eingehen von neuen strategischen Partnerschaften die lokale Marktposition des internationalen Geschäfts in wichtigen Zielmärkten stärken. Damit können einerseits ein schnellerer Markteintritt gewährleistet, lokale Netzwerke übernommen und lokale Personalkostenstrukturen aufgebaut werden. Andererseits kann durch Zukäufe das Produkt­portfolio komple­mentär erweitert und so die Wettbewerbs­fähigkeit gestärkt werden.

Aktuelle Entwicklungen zeigen zudem, dass immer mehr Regierungen ihre Flughäfen mittels Public Private Partnerships oder Konzessionen in die Hände des Privatsektors geben wollen. Hier könnten sich Chancen für den Einstieg in Flughafenkonzessionen oder den Abschluss von langfristigen Managementverträgen für das internationale Geschäft ergeben.

Der Konzern beobachtet hierzu intensiv alle relevanten Märkte und Entwicklungen, betreibt eine professionelle Kundenakquise und passt das Produkt- und Dienstleistungsportfolio laufend den marktseitigen Anforderungen an. So können sich ergebende Chancen optimal genutzt werden.

Mittel- und langfristig könnte eine damit verbundene überplanmäßige Ergebnisentwicklung einhergehen. Die daraus resultierende Chance ist allerdings aufgrund des vergleichsweise geringen Ergebniseffekts mit »geringer Relevanz« zu bewerten.

Real Estate

Die aktuell großen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen setzen Unternehmen in der Bundes­republik Deutschland unter einen hohen Innovations- und Kollaborationsdruck. Dies könnte zu einem erwei­terten Bedarf an Kooperationsstandorten und Testflächen führen.

Der Flughafen München schafft mit seinem Projekt »LabCampus« ein neuartiges Innovationszentrum, das auf branchenübergreifende Zusammenarbeit, gemeinsames Entwickeln, Testen, Präsentieren und Reali­sieren ausgerichtet ist. Aktuell sind unter anderem mit der sogenannten Multifunktionsarena infrastrukturelle Maß­nahmen in unmittelbarer Nähe zum LabCampus geplant. Dies könnte zu einer deutlich höheren Attraktivität des Immobilienstandorts Flughafen München führen. Höhere Ertragsströme und eine damit einhergehende schnellere Umsetzung des LabCampus wären die Folge (zusätz­liche Gebäude und weitere Cluster können mit den entsprechenden Ertragsströmen früher realisiert werden). Lang­fristig besteht daher das Potenzial einer deutlich überplanmäßigen Ergebnisentwicklung.

Der Konzern beobachtet intensiv alle relevanten Märkte und betreibt eine professionelle Kunden-Akquise, um sich diesbezüglich am Markt ergebende Chancen optimal zu nutzen.

Obwohl für eine solche Entwicklung eine gewisse Eintrittswahrscheinlichkeit besteht, ist die resultierende Chance aufgrund des langfristigen Wirkungshorizonts aktuell mit »geringer Relevanz« zu bewerten.

Gesamtaussage zur Chancen- und Risikosituation

Für den Flughafen München als zweitgrößten Verkehrsflughafen in Deutschland und einen der größten Airports in Europa ist es wichtig, sich bietende Chancen aktiv zu nutzen, um durch ein stetiges Wachstum seine Position am Markt zu sichern und weiter zu verbessern. Aber auch Risiken rechtzeitig zu erkennen und ihnen systematisch entgegenzuwirken, ist ein zentrales Ziel des Flughafens München.

So wird jedes Jahr die aktuell erwartete Wirkung möglicher Ereignisse und Entwicklungen bereits in der Geschäfts­planung berücksichtigt. Die berichteten Chancen und Risiken sind als über das prognostizierte Unternehmensergebnis hinausgehende potenzielle Abweichungen definiert. Der Flughafen München konsolidiert und aggregiert die von den Unternehmens­bereichen und Konzern­gesellschaften gemeldeten Risiken und berichtet vierteljährlich an die Geschäftsführung und Gesellschafter. Chancen werden unter Einbezug des Konzernbereichs Konzerncontrolling und Beteiligungsmanagement identifiziert und gesteuert.

Die Ausbreitung des Coronavirus und seine Auswirkungen auf den globalen Flugverkehr haben die Risikosituation des Flughafens München signifikant negativ beeinflusst. Unter Berücksichtigung dieser aktuellen Situation erfolgte mit Beginn der Pandemie eine Überprüfung beziehungsweise eine Neueinstufung der Risiken. Die Geschäftsführung geht davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie sich weiterhin auf das Ergebnis auswirken werden. Allerdings ist der weitere Fortgang der Pandemie nicht absehbar, sodass eine abschließende Risikoeinschätzung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich ist.

Aus dem konzernweiten Risikomanagementsystem wie auch nach Einschätzung der Geschäftsführung waren im aktuellen Prognosezeitraum keine Risiken absehbar, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit den Fortbestand des Flughafens München gefährden. Die Geschäftsführung ist davon überzeugt, dass der Zugang zu Liquidität zur Deckung des Finanzierungsbedarfs wie im Vorjahr möglich ist, um die durch die Coronavirus-Pandemie bedingten Herausforderungen zu überwinden. Die grundsätzliche Ertragskraft des Flughafens München mit den diversifizierten Geschäftsfeldern bildet eine solide Grundlage, um die Chancen für die zukünftige Geschäftsentwicklung zu nutzen und die hierfür notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Der Flughafen München weist darauf hin, dass verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren dazu führen können, dass die tatsächlichen Ereignisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen.

München, den 8. April 2022

Jost Lammers

Nathalie Leroy

Jan-Henrik Andersson

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