Geschäftsfelder

Geschäftsfeld Aviation

Infrastruktur für Airlines und Passagier:innen

Das Geschäftsfeld Aviation umfasst den Betrieb der Luftverkehrsinfrastruktur des Flughafens München.

Für die Bereitstellung und den Betrieb der Luftverkehrsanlagen werden folgende Entgelte in Rechnung gestellt:

Luftverkehrsentgelte

 

 

Bemessungsgrundlage

Start- und Landeentgelt

 

Höchstabfluggewicht des Luftfahrzeugs (Maximum Take-off Mass – MTOM) bei Start und Landung

Lärmorientiertes Grundentgelt

 

Festbetrag je Start und Landung in Abhängigkeit von der Lärmklasse und der Tages-/Nachtzeit

Schadstofforientiertes Grundentgelt

 

Ausgestoßenes Stickoxidäquivalent je Landung

Passagierentgelt

 

Anzahl der Passagier:innen beim Start

Frachtentgelt

 

Anzahl der Verkehrseinheiten bei Start/Landung

Abstellentgelt

 

Höchstabfluggewicht (je angefangene 24 Stunden, ab 16 Stunden)

Sicherheitsentgelt

 

Anzahl der Passagier:innen und/oder Verkehrseinheiten beim Start

Entgelt für Passagier:innen mit eingeschränkter Mobilität (Person with reduced mobility – PRM-Entgelt)

 

Anzahl der Passagier:innen beim Start

Entsorgungsentgelt

 

Anzahl der Passagier:innen beim Start

Im Geschäftsjahr 2021 ist die neue Entgeltrahmenvereinbarung mit einheitlichen Bestimmungen für alle Luftfahrtgesellschaften in Kraft getreten, welche die Entwicklung der Luftverkehrsentgelte bis einschließlich 2030 grundsätzlich regelt und damit die Refinanzierung der Infrastruktur in einem festgelegten Umfang sicherstellt.

Aufgrund der langen Laufzeit wurden drei Haltepunkte festgelegt, um Prognoseunsicherheiten durch Monitoring und gegebenenfalls eine Nachsteuerung der Entgeltentwicklung begegnen zu können. Für das Jahr 2021 wurde krisenbedingt keine Entgelterhöhung eingepreist. Strukturelle Anpassungen der Entgeltordnung führten ins­besondere zu einer stärkeren Betonung umweltbezo­gener Entgeltbestandteile bei gleichzeitiger Reduktion der gewichtsabhängigen MTOM-Entgelte.

Beispielsweise führen erweiterte Lärmklassen nun zu einer differenzierteren Eingruppierung der Flugzeug­typen. Zusätzlich wurden Aufschläge auf das Lärmentgelt in den Nachtrandzeiten festgelegt – und zwar separat für jeden Start und jede Landung, um den Verursacher präzise zuzuordnen.

Der Flughafen München betreibt zwei Start- und Landebahnen mit einer maximalen Kapazität von 90 Flugbewegungen pro Stunde im Tagesbetrieb bei Normalauslastung. Diese Kapazität war in den Jahren vor Corona im Normalbetrieb über weite Strecken ausgeschöpft. Generell gilt, dass zwischen 22 und 6 Uhr der Flugbetrieb nur in stark eingeschränktem Umfang und nur mit besonders lärmarmem Fluggerät zulässig ist. Im Linien- und Charter­verkehr dürfen nicht mehr als 28 planmäßige Flugbewegungen je Nacht stattfinden. Auch Fracht kann aufgrund der strikten Nachtflugregelung in dieser Zeit nur in Ausnahmefällen befördert werden. Erleichterungen gibt es nur für sogenannte Homebase-Airlines und verspätete Flüge. In der Zeit von 0 bis 5 Uhr sind lediglich Nachtluftpost- und Vermessungsflüge der Deutschen Flugsicherung zugelassen. Ausnahmen bilden zum Beispiel Not- und Hilfeleistungsflüge, Landungen aus Flugsicherheits­gründen sowie Flüge in begründeten Ausnahmefällen, die das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr als zuständige Behörde bewilligt.

Die Terminals werden je nach Bedarf kontinuierlich optimiert und erweitert. Der geplante Flugsteig am Terminal 1 soll zukünftige Anforderungen an effiziente Sicherheitskontrollen und Terminalinfrastruktur erfüllen. Vor dem Hintergrund der massiven Auswirkungen der Corona­virus-Pandemie ist der Zeitplan für das Ausbauprojekt gestreckt worden. Einzelne Bereiche der Terminals waren auch 2021 von Schließungen betroffen.

Durch seine zentrale Lage in Europa, inmitten der Metropolregion München, die sich als Innovations-, Wissens- und Wirtschaftsstandort mit einer breit aufgestellten Wirtschaftsstruktur auszeichnet, ist der Flughafen München strategisch bestens positioniert. Das Wachstum der Bevölkerung und der Beschäftigten in der wirtschaftlich bedeutenden Flughafenregion hat sich durch die Coronavirus-Pandemie allerdings verlangsamt. In den Jahren vor Corona verzeichnete der Flughafen München unter den großen deutschen Drehkreuzen den höchsten Anteil an Geschäftsreisenden und war damit für besonders werthaltige Linienverbindungen prädestiniert. Die demografischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Bayern und vor allem im Flughafeneinzugsgebiet lassen trotz Einbrüchen mittel- bis langfristig eine weitere Zunahme der Verkehrsnachfrage am Flughafen München erwarten. Weitere Erläuterungen hierzu sind im Abschnitt Wirtschaftliche und branchenspezifische Rahmenbedingungen zu finden.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Lufthansa AG (im Folgenden Deutsche Lufthansa) hat sich der Flughafen München über die Jahre zu einem bedeutenden internationalen Luftverkehrsdrehkreuz entwickelt. Gemeinschaftlich getragene Ausbaumaßnahmen wie das Terminal 2 und das Satellitengebäude, die Planungen für den T-Stiel des Satellitengebäudes sowie die Zusage der Lufthansa zur Stationierung der Airbus A350-Langstreckenflotte in München sind Fundamente einer nachhaltigen Partnerschaft, die für langfristiges Wachstum steht. Allerdings ist nach vorliegenden Meldungen nicht mehr mit einer Rückkehr der bislang in München stationierten A380 zu rechnen, da die Deutsche Lufthansa dieses Flugzeugmuster nicht mehr betreiben wird. Auch während der Coronavirus-Pandemie bekräftigt die Deutsche Lufthansa ihre Bindung zum Flughafen München und sichert dem Wirtschaftsstandort Bayern mittelfristig weltweite Flugverbindungen zu.1)

Aufgrund seiner vielversprechenden Marktposition und der erfolgreichen Kooperation mit der Deutschen Lufthansa verfügte der Flughafen München, gemessen an der Zahl der Flugziele, vor der Corona-Krise über eines der dichtesten Netze kontinentaler Verbindungen in Europa. Stark frequentierte Umsteigeverbindungen stellten den optimalen Anschluss Bayerns an Europa und die Welt sicher. Die Kombination aus einem dichten Netz an innerdeutschen wie innereuropäischen Zubringern und einer starken lokalen Nachfrage ermöglichte es, ein attraktives Portfolio an Langstreckenflügen ab München anzubieten. Aufgrund der touristischen Attraktivität des Standorts sowie des wachsenden Einzugsgebiets mit einer wohlhabenden Bevölkerung wurde der Flughafen München zunehmend für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen interessant. Mit einer Rückkehr auf das Verkehrsniveau von 2019 ist nach derzeitiger Prognose der International Air Transport Association (IATA) allerdings erst im Jahr 2024 zu rechnen. Die Deutsche Lufthansa geht davon aus, dann wieder ein Drehkreuz am Münchner Flughafen mit rund 30 stationierten Langstreckenmaschinen zu betreiben.2)

Zusätzlich hemmen die deutsche Luftverkehrssteuer und fehlende Verkehrsrechte beziehungsweise protektionistische Maßnahmen in Asien das zukünftige marktgerechte Wachstum am Flughafen München. Die in China betriebene Zero-Covid-Strategie limitiert die Reisetätigkeit zusätzlich, andere Länder Asiens schreiben eine vierzehntägige Zwangsquarantäne in einem speziellen Hotel vor.3)

Das Frachtgeschäft am Flughafen München ist stark von der Entwicklung des Passagierverkehrs abhängig. Grund ist, dass im Regelfall am Flughafen München der größte Teil der Luftfracht – über 80 % – als Beiladefracht auf normalen Langstreckenflügen transportiert wird. Weltweit liegt der Anteil der Beiladefracht am Luftfrachtaufkommen bei gut 50 %.4)

Geschäftsfeld Commercial Activities

Erstklassiger Service und Angebote entlang des Passagierwegs

Das Geschäftsfeld Commercial Activities ist für die Entwicklung, Vermarktung und Verwaltung der kommerziell nutzbaren Flächen des gesamten Flughafens München verantwortlich. Dies umfasst sowohl die strategische Planung des Branchenmixes in Bezug auf Einzelhandels-, Service- und Gastronomieflächen als auch die Vermietung und Vergabe von Konzessionen an Dritte und Konzerngesellschaften.

Der Flughafen München unterhält rund 18.500 m2 gastronomische Flächen (Vorjahr: 21.000) und etwa 20.700 m2 Einzelhandels- und Serviceflächen. Veränderungen zum Vorjahr ergaben sich aufgrund meist temporärer Schließungen einzelner Einheiten. Auf rund 71 % der Gesamtfläche betreiben Tochtergesellschaften der FMG eigene Einzelhandels- oder Gastronomiebetriebe.

Auch das 5-Sterne-Hotel im Zentralbereich des Flughafens München zählt zum Verantwortungsbereich von Commercial Activities. Es verfügt über 551 Zimmer und 30 Tagungsräume.

Das Geschäftsfeld entwickelt und vermarktet auch nachfrageorientierte Parkraumkapazitäten. Derzeit stehen rund 34.600 Stellplätze zur Verfügung, davon sind rund 20.800 terminalnah.

Commercial Activities vermarktet ebenfalls die Werbeträger und Werbeflächen des Flughafens München. Aufmerksamkeitsstarke Werbeflächen mit wenig Streuverlust und individuellen Inszenierungsmöglichkeiten kennzeichnen das Angebot der sogenannten Out-of-Home-Werbung am Flughafen München.

Zum Leistungsportfolio des Geschäftsfelds zählt außerdem das Eventgeschäft.

Geschäftsfeld Real Estate

Immobilienstandort mit hoher Attraktivität

Das Geschäftsfeld Real Estate entwickelt, betreibt und vermarktet alle Immobilien und Grundstücke des Flughafens München, sowohl on- als auch off-Campus. Der Immobilienstandort ist in lagespezifische Areale aufgeteilt, die unter dem Begriff AirSite vermarktet werden.

Als Immobilienstandort hat der Flughafen München viel zu bieten: ein attraktives Umfeld, eine gute Straßenverkehrsanbindung, sehr gute Parkmöglichkeiten und ein umfassendes Angebot an Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Die bestehende Schienenverkehrsanbindung wurde durch den Erdinger Ringschluss in Richtung Osten ausgebaut, um eine bessere Erreichbarkeit des Flughafens zu erzielen. Darüber hinaus wurde durch die Inbetriebnahme der zwei zusätzlichen Spuren des Flughafenzubringers Ost Ende 2020 die Straßenverkehrsanbindung weiter optimiert. Insbesondere für die Erschließung der AirSite West und des Parkzentrums West ist der im Dezember 2020 in Betrieb genommene Brückenschlag über die Zentralallee (Knoten West 0) von großer Bedeutung.

Entsprechend den hohen Ansprüchen an das Gesamtareal wurde ein städtebauliches Konzept entwickelt, das kontinuierlich fortgeschrieben und bereits mit ersten Hochbauten in der Umsetzung sichtbar wird.

Geschäftsfeld Participations, Services & External Business

Participations & External Business: Full-Service-Provider

Die übrigen Gesellschaften des Konzerns runden das Angebot des Flughafens ab. Die wesentlichsten Tochter­gesellschaften sind:

Wesentliche Tochtergesellschaften

 

 

 

AeroGround Gesellschaften

 

Die Gesellschaften AeroGround Flughafen München GmbH (AE München) und AeroGround Berlin GmbH (AE Berlin) erbringen land- und luftseitige Abfertigungsleistungen für Airline-Kunden an den Standorten München sowie Berlin. Zu den wesentlichen Geschäftsfeldern zählen vor allem die klassischen vorfeldseitigen Bodenverkehrsdienstleistungen der Flugzeugbe- und -entladung (Ramp and Baggage Handling), die Transportleistungen für Passagier:innen und Crews sowie vorfeldseitige Frachttransporte.

aerogate

 

Die aerogate München Gesellschaft für Luftverkehrsabfertigungen mbH bietet am Flughafen München die Dienstleistungen Passagierabfertigung, Operation Services mit Ramp Supervision, Ticketing Service sowie Lost & Found mit Gepäckzustellung und Arrival-Service an. Zum Angebot zählen auch Leistungen im Bereich der allgemeinen Luftfahrt sowie Beratungs- und Trainingsleistungen.

Cargogate

 

Als reglementierter Beauftragter verrichtet die Cargogate Munich Airport GmbH Leistungen in Bezug auf den Umschlag von Luftfracht und die Abwicklung der damit verbundenen Zollformalitäten. Darüber hinaus bietet Cargogate die Abfertigung aller gängigen Sondergüter wie Gefahr-, Kühl- und Wertgüter an. Cargogate ist seit September 2018 als einziger Luftfrachtabfertiger am Campus zertifiziert nach Pharma Good Distribution Practice (GDP). Als ausgewiesener Spezialist betreibt die Gesellschaft im Namen der FMG die von der EU vorgeschriebene Grenzkontrollstelle und das Animal Reception Center.

MAI

 

Die Munich Airport International GmbH und deren Beteiligungen bieten weltweit Management-, Beratungs- und Schulungsdienstleistungen für die Luftfahrtbranche an. Sie hat sich vom Berater für Flughafeninbetriebnahmeprojekte (ORAT) zu einem international agierenden Flughafenbetreiber entwickelt.

Services: Energie, IT und Digital für alle Mieter:innen am Flughafen

Neben den Geschäftsbereichen und Tochtergesellschaften sind auch die Servicebereiche des Flughafens München am Außenumsatz beteiligt. Den bedeu­tendsten Beitrag leisten die folgenden Servicebereiche:

Bedeutende Servicebereiche

 

 

 

Technik

 

Der Servicebereich ist für den sicheren, wirtschaftlichen und technischen Betrieb der Flughafeninfrastruktur verantwortlich. Dazu zählen unter anderem die Energie- und Wärme-/Kälteversorgung, die Instandhaltung von Gebäuden und flughafenspezifischen Anlagen sowie das Fahrzeugmanagement für Serienfahrzeuge und Abfertigungsgeräte. Zudem ist dieser Bereich im Rahmen seines Energiemanagements maßgeblich an der Umsetzung der CO2-Strategie des Flughafens München beteiligt.

IT

 

Der Servicebereich IT bietet seinen Kund:innen am Flughafen München verschiedene Dienstleistungen aus den Feldern der Medien- und Kommunikationstechnik, der IT-Arbeitsplatzausstattung sowie der Server-, Datenbank- und Speicher-Systemtechnik an. Die Kernkompetenzen des Bereichs liegen in der Integration unterschiedlicher, technischer IT-Plattformen sowie in der Vorhaltung maßgeschneiderter systemtechnischer Lösungen zur Unterstützung logistischer Prozesse am Flughafen München. Im Rahmen der digitalen Transformation unterstützt der Servicebereich IT aktiv Veränderungsprozesse zur Fort- oder Neuentwicklung digitaler Geschäftsmodelle und zur Verknüpfung von Wertschöpfungsketten zu Wertschöpfungsnetzwerken. Dabei gewinnen die Beachtung sicherheitsrelevanter Vorgaben (CyberSecurity) sowie die Einhaltung konzernweiter einheitlicher Standards zunehmend an Bedeutung.

Die Aktivitäten im Geschäftsfeld Participations, Services & External Business (ohne Abfertigungsdienste) tragen einen geringen Anteil zum Außen­umsatz des Konzerns bei, daher wird auf eine ausführliche Erläuterung im Abschnitt wirtschaftliches Umfeld verzichtet. Die Aus­wirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Geschäftsaktivitäten sind im Geschäftsverlauf erläutert. Die Entwicklungen zu den Abfertigungsdienstleistungen im Konzern wurden in den Passagen im Geschäftsverlauf Aviation aufgenommen.

1) A350_Daten_und_Fakten_DE-Treibstoff_LufthansaGroup_­Hintergrund

2) IATA forecasts solid long-term aviation recovery – The Moodie Davitt Report; Lufthansa stärkt München den Rücken – aeroTELEGRAPH

3) China: Reise- und Sicherheitshinweise – Auswärtiges Amt; Japan: Covid-19_Informatinen – Auswärtiges Amt

4) Statistischer Jahresbericht 2019; China: Reise- und Sicherheitshinweise – Auswärtiges Amt; Air cargo traffic by type- belly cargo & main cargo 2019 – Statista

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