Geschäftsverlauf

Wichtige Ereignisse im abgelaufenen Geschäftsjahr

Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf den Flughafen München

Die Entwicklung am Flughafen München ist im zweiten Jahr in Folge durch die Coronavirus-Pandemie geprägt. Einschneidende Reisebeschränkungen und wiederholte Lockdowns in wichtigen Auslandsmärkten haben die Fluggäste stark verunsichert und deren Buchungs- und Reise­verhalten verändert. Die bis Mitte des Jahres 2021 deutlich gelockerten Reisebeschränkungen führten in den Sommermonaten zu einem starken Nachfrageschub – nach einem extrem schwachen ersten Halbjahr 2021. Die positive Entwicklung des Sommers setzte sich im Herbst mit einer merklichen Angebotserweiterung fort, die von den Passagier:innen auch angenommen wurde. Diesen Aufschwung dämpfte die Ende November aufgetretene Omikron-Variante. Weitere Erläuterungen zur Verkehrsentwicklung sind im Abschnitt Geschäfts­verlauf Aviation zu finden.

Im Gegensatz zum Vorjahr gab es im Jahr 2021 keine Allgemeinverfügungen beziehungsweise Schließungen von Einzelhandels- und Gastronomieeinheiten. Im ersten Halbjahr konnten die einzelnen Mieter selbst entscheiden, wie sie mit Blick auf die Passagierprognosen ihre Einheiten öffnen. Ab dem 30. Juli 2021 wurde eine eingeschränkte Betriebspflicht in Kernbereichen eingeführt. Für weitere Erläuterungen wird auf den Abschnitt Geschäftsverlauf Commercial Activities Bezug genommen.

Um den weiterhin geringen Ergebniszahlen entgegenzuwirken und die Liquidität zu sichern, wurden die im Vorjahr eingeleiteten Gegensteuerungsmaßnahmen im Konzern sowohl im Aufwands- als auch im investiven Bereich fortgeführt. Mit einem strikten Kostenmanagement konnte der operative Verlust im Jahr 2021 reduziert werden.

Mit Beginn der Pandemie wurde das Satellitengebäude nicht mehr zur Passagierabfertigung genutzt. Erst zum 1. Dezember 2021 erfolgte eine teilweise Öffnung. Auch das Terminal 1 war in dieser Zeit temporär geschlossen, um Kosten zu senken. Zudem wurde auch 2021 ein Teil der Instandhaltungs- und Umbaumaßnahmen auf später verschoben. Alle betrieblich nicht zwingend notwendigen Sachausgaben wurden gestrichen. Zusätzlich befindet sich seit Anfang April 2020 ein Teil der Beschäftigten am Standort München in Kurzarbeit.

Um die Kosten am Standort München nachhaltig zu reduzieren und den Flughafen München auch künftig auf das veränderte Marktumfeld auszurichten, wurde das im Vorjahr initiierte Veränderungsprogramm »Restart« fortgesetzt. Hier wurden organisatorische und effizienzsteigernde Maßnahmen entwickelt sowie die Anpassung der Personalkapazität angestrebt. Zum 1. Januar 2022 wurden diese organisatorischen Veränderungen im Rahmen der Neuausrichtung des Konzerns umgesetzt.

Viele der geplanten Investitionsvorhaben aus dem General­ausbauplan wurden unter anderem hinsichtlich ihrer betrieblichen Notwendigkeit, ihrer strategischen Bedeutung und vor dem Hintergrund bestehender Verträge überprüft. Aus dieser Überprüfung erfolgten entsprechende Reduzierungen oder zeitliche Verschiebungen. Davon nicht betroffen waren Maßnahmen mit einem hohen baulichen Fortschritt.

In Summe ist der operative Aufwand im Geschäftsjahr 2021 weiterhin auf einem geringen Niveau.

Um die Liquidität weiter auszubauen und zusätzliche finanzielle Flexibilität zu schaffen, nahm der Konzern bis zum Jahresende Darlehen in Höhe von insgesamt 425 Millionen Euro auf.

Meilenstein auf dem Weg zum Erdinger Ringschluss

Nach drei Jahren Bauzeit konnte der Rohbau der Tunnelverlängerung des Erdinger Ringschlusses, als Weiterführung der Bahnstrecke von Freising über den Flughafen München nach Erding, im September 2021 fristgerecht fertiggestellt werden.

Die Kosten für den Rohbau werden vom Flughafen München getragen und in Form eines verzinslich zurückzuzahlenden Zuschusses vom Freistaat Bayern vor­finanziert. Mit Inbetriebnahme der Tunnelverlängerung wird für den Flughafen München die Zahlung der Investitionskosten fällig.

Fortschritt bei diversen Baumaßnahmen trotz Coronavirus-Pandemie

Im Jahr 2021 konnte die Erweiterung des östlichen Vorfelds im Bereich des Terminals 2 um eine Fläche von insgesamt 180.000 m2 abgeschlossen werden. Als Ergebnis stehen 23 neue Abstellpositionen zur Verfügung.

Auch die Erweiterung des Terminals 1 um einen Flugsteig wurde fortgeführt. Zentrale Ziele dieser Ausbaumaßnahme sind eine bedarfsgerechte Anpassung insbesondere der Sicherheitskontrollen des Non-Schengen-Bereichs sowie die Steigerung der Aufenthalts- und Servicequalität im Terminal 1.

Zudem schreitet das Projekt »LabCampus« auf dem Areal AirSite West voran. Der Bau der beiden ersten Büro­gebäude wurde konsequent vorangetrieben. Es ist mit einer Fertigstellung 2022/2023 zu rechnen.

Geschäftsverlauf Aviation

Erholung der Verkehrszahlen im zweiten Corona-Jahr im Vergleich zum Vorjahr

Verkehrszahlen Flughafen München

 

 

 

 

 

 

Zu-/Abnahme

Rundungsbedingte Abweichungen möglich

 

2021

 

2020

 

Absolut

 

Relativ in %

Flugbewegungen

 

153.097

 

146.833

 

6.264

 

4,3

Passagier:innen (in Millionen)

 

12,5

 

11,1

 

1,4

 

12,4

Luftfrachtumschlag (in Tonnen)

 

166.713

 

145.113

 

21.600

 

14,9

Luftpostumschlag (in Tonnen)

 

6.594

 

5.815

 

779

 

13,4

Mit 12,5 Millionen Passagier:innen (+12,4 %) und 153.097 (+4,3 %) Flugbewegungen konnte der Flughafen München das Verkehrsergebnis des ersten Corona-Jahres über­treffen. Allerdings liegen die Verkehrszahlen noch weit unter den Ergebnissen des letzten regulären Betriebsjahres 2019: passagierseitig um rund -74 %, bei den Flug­bewegungen um circa -63 % und bei der Luftfracht um circa -48 %. Die negativen Einflüsse der Coronavirus-Pandemie sind also bei Weitem noch nicht ausgestanden.

Flugbewegungen am Flughafen München im Jahresverlauf (Gewerblicher Verkehr)

Flugbewegungen am Flughafen München im Jahresverlauf (Säulendiagramm (horizontal))

Anders als im Vorjahr wirkten die Corona-Beschränkungen bereits ab Jahresbeginn. Mit den Osterferien und vor allem ab Pfingsten setzte, einhergehend mit Reise­erleichterungen, eine spürbare Erholung bis in den Winterflugplan ein. Die starke Zunahme der Corona-Fallzahlen ab Mitte Oktober sowie erneute verschärfte Reiseauflagen und die Sorge um die Ende November aufgetretene »Omikron-Variante« dämpften die Verkehrs­entwicklung zum Jahresausgang.

Im Jahr 2021 war der Langstreckenverkehr von den weltweiten Reisebeschränkungen am stärksten betroffen. Ab der zweiten Jahreshälfte erholte sich dieses Segment langsam. Der USA-Verkehr litt zunächst unter den einseitigen Einreisebeschränkungen für EU-Bürger:innen, zog aber im November nach deren Lockerung deutlich an. Extrem eingeschränkt blieben die Verbindungen nach Asien. In Summe blieb die Langstrecke mit 1,2 Millionen Passagier:innen (-31 %) hinter dem Vorjahr zurück, zu 2019 waren es sogar -86 %.

Der innerdeutsche Verkehr war anfänglich die Stütze des Verkehrsaufkommens mit stabiler Nachfrage, verlor jedoch im Jahresverlauf seine Spitzenposition an den kontinentalen Verkehr. Die Einführung der 3G-Regelung für Passagier:innen im innerdeutschen Markt verschärfte ein weiteres Mal die Rahmenbedingungen. Das führte zu Passagierrückgängen von -10 % zum Vorjahr. Verglichen mit 2019 stehen die erzielten 2,3 Millionen Inlands passagier:innen für einen Rückgang von -76 %.

Passagierentwicklung am Flughafen München im Jahresverlauf (Gewerblicher Verkehr)

Passagierentwicklung am Flughafen München im Jahresverlauf (Säulendiagramm (horizontal))

Da im Jahresverlauf die europäischen Reisebeschränkungen immer mehr reduziert wurden, nahm der kontinentale Luftverkehr in München wieder an Fahrt auf und entwickelte sich zum erfolgreichsten Segment mit einem Plus von knapp +32 %. Trotzdem bedeuten 9 Millionen Pas-sagier:innen ein Minus von fast -70 % im Vergleich zum Ergebnis des Jahres 2019. Erst gegen Jahresende, als zahlreiche Länder mit erneuten Reisebeschränkungen auf steigende Fallzahlen reagierten, ließ diese Dynamik nach.

Im Jahresverlauf stabilisierten sich Passagier- und Umsteigeverkehr durch erweiterte Angebote und die damit einhergehende verbesserte Konnektivität. Dies manifestierte sich insbesondere ab Ende September mit der Wiedereinführung des vierten Umsteigeknotens durch die Deutsche Lufthansa. Im Jahresvergleich lag der Umsteiger­anteil mit 36 % über dem Wert des Vorjahres (34 %), jedoch unter dem des Jahres 2019 (38 %). Im Dezember 2021 erreichte der Umsteigeranteil sogar den Spitzenwert von 48 % und untermauert die Stärke und Bedeutung des Hub-Verkehrs am Standort München.

Die Luftfracht blieb auch im zweiten Jahr der Pandemie eine wichtige Stütze der Verkehrsentwicklung und konnte im Vergleich zum Vorjahr ein deutlich besseres Ergebnis (+14,9 % und 166.713 Tonnen gewerblichen Luftfrachtumschlag) ausweisen. Die weltweite Disruption der Verkehrsströme, vor allem der Containerschifffahrt, steigerte die Nachfrage nach Luftfracht. Der Sonderstatus Münchens als Passagierdrehkreuz mit einem historisch hohen Anteil der Beiladefracht von über 80 % dämpfte diesen Effekt jedoch erheblich. Dieses Angebot brach mit dem pandemiebedingten weitgehenden Entfall der Passagierlangstrecke im Prinzip weg. Daher ging die Beiladefracht im Vergleich zum Vorjahr um -0,4 % auf 94.519 Tonnen nochmals leicht zurück. Die auf reinen Frachtmaschinen transportierte Nurfracht füllte die große Angebotslücke und wuchs mit 43,7 % auf 72.194 Tonnen massiv. Die Proportionen verschoben sich stark, und der Anteil der Beiladefracht am Frachtaufkommen lag im Jahr 2021 nur noch bei 57 %.

Der Luftpostumschlag wuchs auf rund 6.594 Tonnen (+13,4 %), liegt aber weiterhin mit -64,2 % unter dem Ergebnis von 2019.

Im Vergleich mit den in der ADV organisierten Flug­häfen entwickelte sich der Flughafen München zum Vorjahr trotz steigender Verkehrszahlen leicht unterdurchschnittlich. In der Krise bündelte die Deutsche Lufthansa ihre Verkehre am Drehkreuz Frankfurt, daher war München als zweites Drehkreuz besonders betroffen. Im Lauf des zweiten Halbjahres konnte der Flughafen München jedoch aufholen und lag im Dezember sogar über dem ADV-Schnitt, da die Deutsche Lufthansa auch in München ihr Angebot wieder ausbaute.

Im Cargo-Verkehr profitierten vor allem die reinen Frachtairports mit 24-Stunden-Betrieb sowie der Flughafen Frankfurt als Heimatbasis von Lufthansa Cargo.

Verkehrsergebnisse 2021 im Vergleich1)

In %

 

ADV

 

München

Bewegungen (gesamter Verkehr)

 

+11,4

 

+4,3

Passagier:innen (gewerblicher Verkehr)

 

+23,0

 

+12,4

Cargo (Luftfracht und Luftpost inklusive Transit)

 

+16,9

 

+14,8

1)

ADV, ADV-Monatsstatistik 12/2021, Januar 2022

Die Rangfolge der passagierreichsten europäischen Flughäfen ist seit Pandemiebeginn extremen Verwerfungen ausgesetzt. Der ehemals verkehrsreichste Flughafen London-Heathrow fiel beispielsweise temporär aus den Top Ten. Der Flughafen München war ebenfalls stark betroffen und rutschte im Jahresverlauf auf Platz 20 ab, konnte jedoch zum Jahresende eine Verbesserung auf Rang 16 erreichen. Insbesondere Flughäfen in Russland und der Türkei waren aufgrund des starken Inlandsaufkommens weniger betroffen. Somit rangierten zum Jahresende unter den Top Ten fünf Flughäfen aus diesen Ländern.27)

Um notwendige Einspareffekte zu erzielen, wurde die Nutzung der Terminalinfrastruktur an das schwankende Passagieraufkommen und geltende Abstandsregelungen angepasst. Bis zum 1. Dezember 2021 war der Terminal 2-Satellit geschlossen. Die anschließende Teilöffnung beruhte auf der dort durchgeführten Sonderkontrolle für USA-Flüge. Das Terminal 1 war vom 1. Dezember 2020 bis zum 22. Juni 2021 geschlossen.

Da sich die pandemiebedingten Verkehrsrückgänge auch im Jahr 2021 fortsetzten, nutzte der Flughafen München die Situation, um grundlegende Sanierungsmaßnahmen am Start-/Landebahnsystem vorzunehmen. Entsprechende Maßnahmen hätten sonst in den kommenden Jahren nachts und mit erheblich höherem Kostenaufwand durchgeführt werden müssen.

Bodenabfertigungsdienstleistungen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld

Das Jahr 2021 war für die beiden Tochtergesell­schaften AE München und AE Berlin, wie für die gesamte deutsche Luftverkehrsbranche, in der ersten Jahreshälfte durch geringe Abfertigungszahlen infolge der welt­weiten Corona­virus-Pandemie gekennzeichnet.

Am Flughafen München gibt es zwei Bodenabfertigungslizenzen. Eine davon ist fest an die Tochtergesellschaft AeroGround Flughafen München GmbH (AE München) vergeben. 2021 verzeichnete die AE München einen Abfertigungsmengenanstieg von 10,4 %. Der Marktanteil stieg um 3,9 Prozentpunkte und lag damit im Jahresdurchschnitt 2021 bei 55,1 %. Dies lässt sich unter anderem auf eine Verschiebung des Marktanteils bei der Deutschen Lufthansa zurückführen, was auch einen höheren Marktanteil im Terminal 2 zur Folge hatte.

Auch im Terminal 1 ergab sich aus der stärkeren Erholung der Kunden im Vergleich zum Wettbewerber Swissport-Losch ebenfalls ein geringfügig gestiegener Marktanteil.

AE Berlin fertigte im Berichtsjahr 17.661 Turnarounds ab (2020: 10.077 Turnarounds). Der Marktanteil am Standort Berlin stieg im Vergleich zum Vorjahr im Passagierverkehr auf 43 % (2020: 24 %) und im Frachtverkehr auf 18 % (2020: 3 %). Der Anstieg der Marktanteile ist auf die beiden neu gewonnen Großkunden Lufthansa Group und Eurowings zurückzuführen, die AE Berlin ab der Eröffnung des neuen Flughafens BER im November 2020 übernommen hat.

Geschäftsverlauf Commercial Activities

Im Vergleich zum Vorjahr blieben die Umsatzerlöse im Geschäftsfeld Commercial Activities aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie und dem dadurch weiterhin geringen Passagieraufkommen auf Vorjahresniveau. Aufgrund der Passagiereinbrüche wurden am Flughafen München bereits 2020 Terminalbereiche geschlossen, die 2021 sukzessive wieder öffneten:

  • am 26. März Eröffnung Check-in-Bereich im Zentralgebäude sowie am 19. Mai Check-in im Modul C
  • Wiedereröffnung der Abflugbereiche im Terminal 1, Module B, C und D, das Modul A ab 23. Juni in Peak-Zeiten
  • am 1. Dezember Teilöffnung des Terminal 2-Satelliten

Im Geschäftsjahr gab es keine angeordneten Schließungen der Einzelhandels- und Gastronomieeinheiten. Im ersten Halbjahr oblag es den Mietern, selbst zu ent­scheiden, ob sie mit Blick auf die Passagierprognosen ihre Ein­heiten öffneten. Ab dem 30. Juli wurde eine eingeschränkte Betriebspflicht in den Kernbereichen von 7:30 bis 16 Uhr eingeführt.

Um die Belastung für die Mieter zu reduzieren und diese langfristig am Standort München zu halten, erfolgten primär für den passagierabhängigen Einzelhandel beziehungsweise die Gastronomie und differenziert nach Art und Umfang der Einschränkungen, soweit rechtlich zulässig und geboten, in Einzelfällen Anpassungen der Mieten beziehungsweise der Mietverträge analog 2020.

Einzelhandel – Umsatzentwicklung stärker eingebrochen als die Passagierzahlen

Trotz der gestiegenen Passagierzahlen und der schrittweisen Öffnung von Terminalbereichen sind die Umsatzerlöse im Einzelhandel unterproportional gestiegen. Hier enthalten ist der 2021 eingetretene ganzjährige Effekt der Corona-Krise.

Gastronomie und Hotel leiden weiterhin unter der Coronavirus-Pandemie

Die aufgrund der Coronavirus-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen eingebrochenen Umsätze in den Restaurants und Bars sind absolut und pro Passagier:in betrachtet gegenüber dem Vorjahr trotz Ganzjahreseffekt der Krise leicht gestiegen.

Das Hotel verzeichnete wegen der gesunkenen Nachfrage nach Übernachtungen und Konferenzen abermals Umsatzrückgänge. Die Zeit konnte für Modernisierungsmaßnahmen genutzt werden. Bei den Skytrax Awards 2020 wurde das Fünf-Sterne-Hotel im Zentralbereich des Flughafens München als zweitbestes Flughafenhotel in Europa ausgezeichnet.28) Dieser Award wurde 2021 aufgrund der Pandemie ausgesetzt.29)

Parken – Nachfrage steigt mit Passagieraufkommen

Die Passagierentwicklung am Flughafen München hat einen starken Einfluss auf das Parkgeschäft. Zwar ist der Anteil an Anreisen mit Auto beziehungsweise Carsharing gegenüber dem Geschäftsjahr 2020 gestiegen, dies aber nur bei einer sehr geringen absoluten Menge. Das nicht direkt passagierabhängige Geschäftsfeld Mieterparken verzeichnete leichte Umsatzrückgänge.

Werbung – herausforderndes Marktumfeld

Entgegen dem Branchentrend im Jahr 2021 sind die Umsätze am Flughafen aufgrund der geringen Passagiermenge und des damit weniger attraktiven Werbestandorts gesunken. Zusätzlich reduzierte sich aufgrund der 2021 teilweise andauernden Terminalschließungen die Zahl der langfristigen Verträge (unter anderem Fluggastbrücken, Raucherlounges).

Geschäftsverlauf Real Estate

Fortlaufende Standort- und Immobilienentwicklung

Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie zeigten sich auch im Bereich Real Estate. Diverse geplante Bauprojekte sind weiterhin gestoppt oder zurückgestellt. Bei laufenden Projekten meldeten die bauausführenden Firmen Mehrkosten und Behinderungen an. Insgesamt liegt das Ergebnis dennoch in etwa auf Vorjahresniveau. Während die Mieterlöse leicht sanken, wurde durch Maßnahmenschiebung sowie -priorisierung bei Umbau und Instandhaltung eine Reduzierung der Kosten erreicht. Die seitens diverser Mieter 2020 und 2021 gestellten Anfragen zu Zahlungszielverlängerungen und Mietminderungen konnten einvernehmlich geklärt werden.

Die Entwicklung des Zukunftsprojekts LabCampus auf dem Areal AirSite West schreitet voran. Im Vorjahr erfolgte der Baubeginn der ersten beiden Bürogebäude, deren Fertigstellung für 2022/2023 geplant ist. Die Vermarktungsaktivitäten zeigten erste Erfolge.

Zur besseren Anbindung der AirSite West waren weitreichende Erschließungsmaßnahmen erforderlich. Diese konnten im Jahr 2021 fertiggestellt werden.

Im Zusammenhang mit dem Erdinger Ringschluss wurden im östlichen Areal des Flughafens die Tunnelbauarbeiten fortgesetzt, um die Erreichbarkeit des Flughafens auf der Schiene zu verbessern. Der bestehende Tunnel, der derzeit auf der Höhe des Satellitengebäudes des Terminals 2 endet, wird in östlicher Richtung um rund 1,5 Kilometer verlängert und um ein 300 Meter langes Rampenbauwerk, über welches die Züge wieder an die Oberfläche gelangen, ergänzt. Die FMG schloss den Tunnelrohbau im Jahr 2021 ab. Nun rüstet die DB Netz AG diesen mit den für den Zugverkehr notwendigen technischen Ausstattungen aus.

Der Flughafen München baut derzeit einen neuen Flugsteig am Terminal 1. Die Erweiterung dient einerseits der Verbesserung der Abfertigungsqualität bei Großraumflugzeugen und Non-Schengen-Passagier:innen, die durch eine veränderte Verkehrsstruktur dringend erforderlich wurde. Zudem ergab sich aufgrund wesentlich gestiegener Anforderungen an die Sicherheitskontrollen seit der Eröffnung des Terminals 1 im Jahr 1992 die Notwendigkeit, Personen- und Warenkontrollen auszubauen. Mit der Erweiterung um diesen Flugsteig kann die Abfertigungsqualität im Terminal 1 den Ansprüchen der Passagier:innen, Airlines und Behörden wieder gerecht werden.

Das Gesamtkonzept für die Erweiterung sieht einen in drei Ebenen gegliederten Baukörper vor, der sich aus einem an das Terminal 1 angrenzenden Kerngebäude und einem Flugsteig zusammensetzt. Dieser wird mit den bestehenden Modulen A und B verbunden sein und rund 320 Meter in das westliche Vorfeld des Flughafens München hineinreichen. An dem Flugsteig können dann bis zu zwölf Flugzeuge andocken. Die Gesamtfläche der Erweiterung inklusive der Umbauten im bestehenden Ankunftsbereich B beträgt rund 95.000 m2. Die Rohbauarbeiten wurden 2021 weitestgehend abgeschlossen. Die Arbeiten an den Fassaden und dem Dach wurden 2021 gestartet. Die vier Verbindungsbrücken zum Terminal 1 sind beauftragt. 2022 sollen die Ausschreibungen für den Innenausbau und die Haustechnik erfolgen, der Beginn des Innenausbaus ist ab dem ersten Quartal 2023 geplant.

Um sowohl den bereits am Flughafen München tätigen als auch neuen Mitarbeitenden geeigneten Wohnraum zur Verfügung stellen zu können, werden seit 2019 Wohnobjekte unterschiedlichster Beschaffenheit angemietet. Zusätzlich sind Wohnhäuser, die dem Flughafen gehören, renoviert und zu Wohnheimen umgebaut worden. Auch das Ende 2019 in Hallbergmoos eröffnete Hotel für Mitarbeitende mit 196 Betten steht weiterhin zur Verfügung. Aufgrund der aktuellen Personalpolitik (Einstellungsstopp, Altersteilzeit- und Freiwilligenprogramm) besteht derzeit kaum Nachfrage von Mitarbeitenden. Dennoch soll das Projekt »FMG und Wohnen« als Instrument des HR-Marketings langfristig fortgeführt werden, kurzfristig erfolgt jedoch zur Minimierung des Defizits eine Vermarktung der Wohnungen und Zimmer an Externe.

Im Bereich der AirSite West konnte in diesem Jahr das Parkhaus P44 mit 2.000 Stellplätzen eröffnet werden. Die voranschreitende Immobilienentwicklung in der AirSite West (LabCampus, FMG-Konzernzentrale) erfordert mehr Parkraumkapazitäten, um den Anforderungen in der Zukunft gerecht zu werden.

Nach erfolgreicher Standortsuche in Deutschland hat das Unternehmen Argo AI GmbH den ersten Bauabschnitt eines Forschungs- und Entwicklungsgeländes für autonomes Fahren im südlichen Bebauungsband Mitte 2021 in Betrieb genommen. Neben dem circa 55.000 m2 großen Gelände konnte ein Mietvertrag über Werkstatt- sowie Büroflächen im derzeit im Bau befindlichen Gebäude auf dem LabCampus abgeschlossen werden. Der Bau des zweiten und damit letzten Bauabschnitts startet im Jahr 2022.

Die Modernisierungsmaßnahmen im Hotel Hilton gehen voran: Im November 2021 wurde die Modernisierung der Zimmer und Flure im Bettenhaus Ost abgeschlossen, derzeit sind das Bettenhaus West sowie der Tausch der Atriumdachverglasung an der Reihe. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts erfolgt voraussichtlich Ende 2022.

27) Airports Council International und Eigenerhebung, Februar 2022

28) SKYTRAX, World’s Best Airport Hotels 2020, Dezember 2020

29) SKYTRAX, World’s Best Airport Hotels 2021, Dezember 2021

Airports Council International (ACI)
Internationale Vereinigung der Flughafenbetreiber mit Sitz in Montreal. Mitglied des ACI sind rund 1.950 Flughäfen in fast allen Ländern weltweit – darunter über 500 Flughäfen in 55 europäischen Ländern im Rahmen des ACI Europe.
Schengen/Non-Schengen
Abflug- und Ankunftsbereiche für Passagier:innen aus Mitgliedsstaaten des Schengener Abkommens, die direkt aus diesen Staaten kommen oder in diese einreisen wollen. Grenz- und Passkontrollen entfallen. Non-Schengen bezeichnet Bereiche für Passagier:innen, die nicht aus den Schengen-Staaten einreisen. In diesem Fall erfolgt eine Pass- und Zollkontrolle.

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