Klimaschutz

Gezielte Maßnahmen senken absoluten CO2-Ausstoß

Die stark rückläufigen Verkehrszahlen und die zeitweise Schließung des Terminals 1 und des Terminal 2-­Satelliten im Zuge der Corona-Pandemie führten zu einem deutlichen Rückgang der dem Flughafen zurechen­baren CO2-Emissionen auf 78.340 Tonnen im Berichtsjahr 2021. Dieser Effekt ist allerdings nicht von Dauer und die Emissionen werden bei wachsender Nachfrage wieder ansteigen. Deshalb liegt der Fokus der Berichterstattung auch in diesem Jahr nicht auf einem Vergleich der CO2-Emissionen mit den Vorjahren, sondern auf den technischen Maßnahmen zur gezielten Reduktion der CO2-Emissionen. 2021 hat die Flughafen München GmbH rund 550.000 Euro investiert, um den Treibhausgas-Ausstoß durch weitere zwölf Einzel­maßnahmen langfristig um 1.083 Tonnen zu reduzieren. Dank der bereits seit 2005 durchgeführten 306 Einzelmaßnahmen konnte der CO2-Ausstoß des Münchner Flughafens um mehr als 51.500 Tonnen CO2 pro Jahr gesenkt werden.

Auch bei den CO2-Emissionen pro Passagier:in hält der Einfluss der Corona-Pandemie an: Diese flughafen­spezifische Kennzahl verbleibt auf dem im Vorjahr erreichten untypisch hohen Niveau. Denn der Energie­bedarf der Flughafeninfrastruktur hängt nicht direkt von der Zahl der Fluggäste ab. Für die Beleuchtung, Heizung oder Kühlung und Belüftung der Gebäude wird durchgehend Energie benötigt. Durch den fehlenden Wärmeeintrag der Flugreisenden mussten die Terminals im Sommer zwar weniger gekühlt werden, die notwendige Heizleistung in der Kälteperiode stieg dadurch aber an. Außerdem muss in den Abend- und Nachtstunden permanent der Betrieb der Landebahn­befeuerung gewährleistet sein – unabhängig davon, wie viele Flugzeuge gerade starten oder landen.

CO2-Emissionen am Flughafen München

CO2-Emissionen am Flughafen München (Liniendiagramm und Säulendiagramm (vertikal))
1) Im Rahmen der Prüfung der Daten identifizierte Fehler wurden nachträglich korrigiert.
»B« Die FMG erreichte 2021 beim Ranking der Klimaschutzorganisation CDP (Carbon Disclosure Project) das Level «B» für die konsequente Reduktion von CO2-Emissionen.
CO2 neutral bis 2030 (Foto)
Bis 2030 möchte der Flughafen München CO2-neutral sein.

Footprint: komplexe Rechenaufgabe

Der Betrieb einer großen Infrastrukturanlage bringt Emissionen verschiedenster Verursacher mit sich. Sie alle fließen in die Bilanzierung des Treibhausgas-Ausstoßes eines Flughafens mit ein. Den größten Anteil machen dabei die Emissionen des Flugverkehrs im Landing-and-Take-off-Zyklus aus (LTO-Zyklus: landende und startende Flugzeuge bis zu einer Höhe von 3.000 Fuß). Als Grundlage für die vergleichbare Erfassung aller Emissionen dient der CO2-Footprint. Er gliedert den Treibhausgas-Ausstoß, der einem Flughafen zugerechnet wird, nach dem internationalen Standard »Greenhouse Gas Protocol« in drei unterschiedliche Quellen (Scopes).

Scope 1 und Scope 2

Regernatives Energiekonzept

Der Flughafen München hat sich 2019 das Ziel gesetzt, bis 2030 nahezu die gesamte Energieversorgung CO2-neutral zu gestalten und dabei möglichst viele verfügbare Ressourcen in der Region zu nutzen. Dafür sollen ab 2023 zum Beispiel weitere Fotovoltaikanlagen auf den Parkhäusern und auf geeigneten Freiflächen außerhalb des Flug­hafens in Betrieb gehen. Zur Versorgung des Blockheizkraftwerks soll künftig auf Biogas umgestellt und die bisherige Versorgung mit Biomassewärme aus Zolling gegebenenfalls ausgeweitet werden.

Ziel
Ende 2029: Ausbau der Fotovoltaikanlagen auf Dachflächen von Gebäuden und Freiflächenanlagen

Daten und Fakten

Neue Fotovoltaikanlagen

  • 20 MW auf Dachflächen innerhalb des Flughafens
  • 30 MW auf Freiflächen außerhalb des Flughafens
  • Über 50.000 MWh Sonnenstrom
  • Entspricht Stromverbrauch von knapp 15.000 Haushalten
  • Über 19.000 Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr

Greenhouse-Gas-Emissionen am Flughafen München 2021

In Prozent (gerundet)

Greenhouse-Gas-Emissionen am Flughafen München 2021 (Grafik)

TOP-3-Maẞnahmen

LED-Beleuchtung mit niedrigem Energieverbrauch

Der Münchner Flughafen hat bereits die gesamte Vorfeldbeleuchtung auf energiesparende LED-Technik umgerüstet. Alle Maßnahmen im Bereich Beleuchtung summieren sich auf Einsparungen in Höhe von rund 17.500 Tonnen CO2. Als Nächstes wird die gesamte Außenbeleuchtung im öffentlichen Bereich des Airports auf LED-Technik umgestellt. Neben dem Umstieg auf moderne LED-Beleuchtung entlang der Terminalstraße hielt diese effiziente Technik auch in den Parkhäusern P6 und P9 sowie in den Unterstellbereichen bei der Fracht Einzug. Helligkeitssensoren und Bewegungsmelder sorgen darüber hinaus für zusätzliche Einsparungen.

Austausch der Lüftungsanlagen am gesamten Flughafen-Campus

Am gesamten Flughafen-Campus sind über 200 Lüftungsanlagen im Einsatz, welche die Gebäude mit Frischluft versorgen. Im Sinne der Klimaschutzstrategie werden diese schrittweise durch Ventilatoren der neuesten Generation ersetzt. In einem ersten Projekt stehen in den Jahren 2021 und 2022 insgesamt 64 Anlagen in einem Hotel, dem Terminal 1 und weiteren Gebäuden zum Tausch an. Die Maßnahme mit einem Budget von circa zwei Millionen Euro ist aufgrund von Lieferverzögerungen nur stockend angelaufen, sodass 2021 nur sechs Anlagen vollständig erneuert werden konnten (Zu- und Abluftventilatoren). Da die Lieferproblematik nach wie vor besteht, kann die geplante Fertigstellung aller Anlagen bis Ende 2022 derzeit nicht gewährleistet werden.

Klimaneutraler Bus im Regelbetrieb

Der bei einem Pilotprojekt umgebaute – ursprünglich mit Diesel betriebene – Bus befördert als Teil der Fahrzeugflotte nun regulär Fluggäste am Flughafen München. Mit dem klimaschonenden, patentierten Antriebskonzept »CMF drive« fährt er besonders energie­effizient und – mit Biomethan betankt – sogar klimaneutral. Gerade bei Passagierbussen mit langen Betriebszeiten und häufigen Starts und Stopps, wie beim Einsatz auf dem Vorfeld, werden die Vorteile von »CMF drive« deutlich: Bremsenergie wird rückgewonnen und in der Pufferbatterie zwischengespeichert. Eine Tankfüllung reicht dabei im Gegensatz zu herkömmlichen Elektrobussen bis zu 800 Kilometer weit.

Daten und Fakten

Biogasanlage

Der Flughafen München plant, zukünftig auch Biomethan aus Bioabfall als Brennstoff für sein Blockheizkraftwerk zu verwenden. Mit diesem Leuchtturmprojekt bleibt das Prinzip der Kraft-Wärme-Koppelung am Münchner Airport erhalten.

Biogasanlage (Infografik)
Auszug aus den 2021 abgeschlossenen Projekten des Stromsparprogramms (Scope 1 und 2)

Thema

 

Maßnahme

 

CO2-Einsparung pro Jahr

Raumlufttechnik

 

Umbau der Lüftungsanlagen im Terminal 2 auf Mehrmotorentechnik

 

267 t

 

Umbau der Lüftungsanlagen im MAC auf Mehrmotorentechnik

 

123 t

Beleuchtung

 

Austausch der Beleuchtung auf LED-Technik im Parkhaus P 6

 

238 t

 

Umstieg auf moderne LED-Straßenbeleuchtung – Terminalstraße

 

107 t

Sonstige Energieeffizienz

 

Rückbau Werbetafelbeleuchtung

 

20,5 t

Sparsame Antriebe im Fuhrpark

Der Münchner Flughafen betreibt insgesamt 131 Pkws und Kleintransporter sowie 295 Abfertigungs- und Spezialgeräte elektrisch. Bis 2030 sollen Elektrofahrzeuge den Großteil des Fuhrparks ausmachen. Da 2021 pandemiebedingt kaum neue Fahrzeuge beschafft wurden, sind es derzeit nach wie vor etwa 30 Prozent. Mit Blick auf die technologische Weiterentwicklung geht der Flughafen davon aus, dass bis 2030 auf Basis besserer Batterien, grünen Wasserstoffs, synthetischer Kraftstoffe und weiterer alternativer Antriebskonzepte der Fahrzeugmix noch stärker diversifiziert sein wird.

Ziel
Ende 2030: Betrieb der Fahrzeugflotte mit regenerativer Energie

Elektrisch betriebenes Abfertigungsgerät (Foto)
Der Anteil von elektrisch betriebenen Abfertigungsgeräten soll weiter steigen.

Scope 3

Überwiegend zielt die Scope-3-Strategie der FMG darauf ab, die Emissionen im Flugbetrieb zu senken. Klimaschutzmaßnahmen sind hier unter anderem der umweltschonende Anflug (CDO; Continuous Descent Operations) oder das optimierte Rollführungssystem (ACDM; Airport Collaborative Decision Making) zur Reduzierung der Rollzeiten. Neben diesen und anderen etablierten Scope-3-Maßnahmen auf der Luftseite, wie den Pre-Conditioned-Air-Anlagen, gab es auch auf der Landseite Fortschritte bei der Reduktion der Emissionen in Scope 3 zu verzeichnen. So wurde 2021 zusammen mit dem Spediteur LUG-Aircargo der Umschlagbereich auf energiesparende und hellere LED-Technik umgerüstet. Weitere Spediteure werden 2022 folgen.

Die LAB 52 und LAB 48 genannten Bürogebäude sind die ersten realisierten Immobilienprojekte auf dem LabCampus. Sie werden nach dem Gold-Standard der Deutschen Gesellschaft für Nach­haltiges Bauen (DGNB) errichtet. Dank höchster Energieeffizienz werden die CO2-Emissionen während der gesamten Betriebsphase durch die Mieter so gering wie möglich gehalten. Darüber hinaus verfügen beide Gebäude über Fotovoltaikanlagen zur Produktion von umweltfreundlichem Strom.

Luftgüte

Weniger Schadstoffe, geringeres Landeentgelt

Die FMG erhebt emissionsorientierte Landeentgelte. Triebwerks­hersteller und Flugzeugbauer erhalten so einen langfristigen Anreiz, in die Entwicklung von schadstoffärmerem Fluggerät zu investieren. Der Flughafen München trägt damit aktiv zu einer besseren Umwelt­qualität in seiner Umgebung bei. Mit den Informationen über die gelandeten Flugzeugtypen kann der Flughafen die Schadstoffe – ein­schließlich CO2 – triebwerksgenau bilanzieren und den technischen Fortschritt unmittelbar abbilden.

Der Flughafen München engagiert sich gemeinsam mit seinen Systempartnern für Klimaschutz am Boden und in der Luft.

Im Blick: Stickoxide, Schwefeldioxid und Feinstaub

Wie beim CO2 verursachen auch bei den Luftschadstoffen die Flugzeuge deutlich mehr Emissionen als der Bodenverkehr auf den Vorfeldern, Zubringer- und Betriebsstraßen. Eine messtechnische Unterscheidung der Immissionen ist jedoch nicht möglich. Für die Beurteilung der Luftgüte am Flughafen und in seiner Umgebung spielen Stickoxide, Schwefeldioxid und Feinstaub eine bedeutende Rolle. Ihre Konzentration wird an zwei Stellen kontinuierlich gemessen. Die Messstationen im Westen und im Osten des Flughafens erfassen die Wirkung der Schadstoffquellen des Straßen- und Luftverkehrs und des sonstigen Flughafenbetriebs – überlagert von der Grundbelastung des Ballungsraums München und der natürlichen Hintergrundkonzentration in der Atmosphäre.

Wegen der Corona-Krise reduzierten sich am Flughafen München die verkehrsbedingten Emissionen. Dies zeigt sich in einem Rückgang der NO2-Konzentrationen im Vergleich zum Vorjahr und vor allem zu 2019. Insgesamt wurden die geltenden gesetzlichen Grenzwerte 2021 eingehalten. Mobile Messungen fanden 2021 auf der Nordbahn des Flughafens München statt. Die Konzentrationen lagen deutlich unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte.

Schadstoffkonzentrationen an der Messstelle im Osten des Flughafengeländes

Jahresmittelwerte in μg/m3

Schadstoffkonzentrationen an der Messstelle im Osten des Flughafengeländes (Säulendiagramm (horizontal))

Ultrafeinstaub: kleiner als 0,1 Mikrometer

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine standardisierten Verfahren zur Messung von ultrafeinen Partikeln (UFP), keinen objektiven Maßstab für eine Beurteilung und auch keine Grenzwerte. Der Flughafen München verfolgt jedoch aufmerksam aktuelle Projekte, die sich mit der Ultrafeinstaubbelastung durch den Luftverkehr befassen. Im Umfeld des Flughafens Frankfurt nimmt derzeit das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie intensive UFP-Messungen vor. Auch im Umfeld des Flughafens München misst seit dem Frühjahr 2021 die Universität Bayreuth im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums die UFP-Konzentration an zwei Stellen. Die FMG unterstützt das Messprogramm des Umweltminis­teriums, führt aber keine eigenen Messungen durch.

Kontinuierliches Monitoring von Schadstoffen

Langlebige Schadstoffe können sich in der Umwelt anreichern und so in die Nahrungskette gelangen. Diesen Sachverhalt misst der Flughafen München seit vielen Jahren mit verschiedenen Verfahren. 2021 wurden an acht Messpunkten im Umland des Flughafens Pflanztöpfe mit Welschem Weidelgras und Grünkohl zusammen mit Sammel­bechern für Staubniederschlag aufgestellt. Auch das Honigmonitoring wurde 2021 fortgesetzt.

Messpunkte Luftgüte und Biomonitoring

Messpunkte Luftgüte und Biomonitoring (Landkarte)
Feinstaub
Unter der Messgröße PM10 (Particulate Matter < 10 μm) wird die Feinstaubfraktion mit einem oberen Partikeldurchmesser von bis zu 10 μm verstanden. PM2,5 enthält als Teilmenge von PM10 noch kleinere Teilchen.
Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol)
Weltweit anerkanntes und genutztes Instrument zur Quantifizierung und zum Management von Treibhausgasemissionen. Es macht Vorgaben für organisationsweite Berechnungen von Treibhausgasemissionen sowie für die Durchführung von Projekten zur Emissionsreduzierung.
Landing-and-Take-off-Cycle (LTO-Zyklus)
Der Landing-and-Take-off-Zyklus bezeichnet den CO2-Ausstoß der Flugzeuge am Boden sowie beim Starten und Landen unterhalb 3.000 Fuß (914 Meter). Bis zu dieser international definierten Höhe werden die Treibhausgase aus den Flugzeugturbinen den Flughäfen zugerechnet. Je nach Steigflugverhalten haben die Flugzeuge beim Start dann schon eine Entfernung von circa acht Kilometern vom Flughafen. Bei der Landung sind es rund 17 Kilometer.

Teilen Sie diesen Bericht auf Social Media: